 Farnese erhob sich und beugte sich tröstend über sie,
indem der zierliche Mund die freundlichsten Worte sagte. Als sie wieder mehr
beruhigt schien, sagte der Kardinal: »Nicht wahr, Ihr habt Vertrauen zu mir, Ihr
seid meine bewährte Freundin, und Ihr glaubt von mir, dass ich alles für
diejenigen tun will und werde, die ich die Meinigen nenne?«
    »Ihr seid mein einziger Schutz«, sagte die Matrone; »wenn Ihr mich aufgebt,
so bin ich ganz unter die Füße getreten.«
    »Macht es mir nur möglich«, rief der Fürst, »ganz mit aller Kraft für Euch
zu handeln, dass ich mit begründetem Anspruch ohne mich lächerlich zu machen,
auch das Äußerste versuchen und ausrichten darf.«
    »Wie meint Ihr das?«
    »Seht«, fuhr er liebreich fort, »die Päpste haben ihre Nepoten, die sie
nicht nur beschützen, sondern reich und mächtig, oft, wenn sich die günstige
Gelegenheit bietet, zu unabhängigen und regierenden Fürsten machen. - Könnte ich
nun Euch und die Eurigen nicht auf ähnliche Weise adoptieren?«
    Die Mutter sah ihn forschend an.
    »Ich habe aus Vittorias eigenem Munde«, begann der Kardinal wieder: »dass,
wenn es nach ihrem Willen geht, sie sich niemals vermählen wird. - Und sie hat
recht. Denn welches Glück könnte diesem hochgestimmten Wesen wohl in der
gewöhnlichen Ehe blühen? Glanz, Pracht muss sie umgeben, sie muss ein fürstliches
Dasein führen und durch ihren erhabenen Geist Einfluss in die Händel der Welt
gewinnen. So gelang es dieser merkwürdigen Bianca Kapello, die als eine arme
Flüchtige und Verbannte nach Florenz kam, und jetzt dort den Herzog und den
Staat regiert, knieend von allen verehrt wird, und ihre Schönheit von aller Welt
bewundert. - Erlaubt mir, fortzufahren. - Vittoria ist schöner und begabter als
diese Bianca, deren Geschichte der Welt ein Märchen dünken möchte. Ich bin kein
regierender Herzog, aber ich kann Euch und den Eurigen eins meiner großen
Schlösser schenken, hier in Rom, oder auf dem Lande das prächtige Kaprarola oder
ein anderes, ihr und den Eurigen auf ewig so fest und bündig verschreiben, dass
keiner meiner Verwandten Einwendungen machen kann, die ich auch unter den
strengsten Bedingungen so reichlich entschädigen will, dass auch der frechste von
diesen keinen Widerspruch wagen soll. Ja, dass ich es nur bekenne, meine
Leidenschaft für die göttliche Virginia ist mit jeder Woche gewachsen: ihre
Zuneigung und Liebe ist zu meinem Dasein unentbehrlich. - Übereilt Euch mit
keiner Antwort, und da ich einmal so weit gegangen bin, lasst mich alles sagen.
Gehört Ihr mir auf diese Weise an, sind wir so innigst verbunden, so gebe ich
