 wird in Neapel, Florenz und Venedig mit
offenen Armen empfangen, man gibt ihm bedeutende Ämter und Unterstützung aller
Art. - Was soll also hier geschehen? Wer soll Euch in diesem kleinen Hause
mächtig beschützen? wer diesem Orsini Furcht einflößen?«
    »Aber Ihr selbst, hochverehrter Freund; kann nicht ein so mächtiger Kardinal
für seine Schützlinge stärker einschreiten?«
    »Liebe alte Freundin«, sagte der Kardinal seufzend, »unsere Macht, unser
Einfluss unterliegt ewigen Schwankungen. In diesen besteht nur, wenn Ihr Euch
darum erkundigt, die Geschichte unsers geistlichen Regiments. Handeln irgend
andre Mächtige gegen uns, offen oder unter der Hand, so entstehn Hemmungen,
Widersprüche, wir gehen vorwärts, kämpfen, und plötzlich fühlen wir uns gelähmt
und ohnmächtig, weil ein heftiger Schlag blitzschnell von einem Orte herkommt,
wo wir es am wenigsten vermuten konnten. Ist schon an den Höfen ein beständiger
Wechsel von sich ablösenden Intrigen, von Dienern und Vornehmen, die einer des
andern Kraft zu vernichten suchen, so ist dies noch viel manichfacher, stärker,
feiner und gewaltsamer in unserer Priesterherrschaft, wo nicht bloß Kardinal und
Bischof, der Herzog und Gesandte des Hofes, sondern auch wohl der bettelnde
Mönch durch seinen Einfluss einen groben Querstrich durch unsere besten Kalküls
ziehen kann. - Alles das wird mir jetzt bei Eurem Prozesse klar, der nun schon
seit zwei Jahren in der Schwebe hängt. Meine Advokaten wissen, wie es mein
ernster Wille, ja mein Befehl ist, dass alle jene Schikanen niedergeschlagen
werden, die Euch den größeren Teil Eures mäßigen Vermögens streitig machen
wollen, alle meine Klienten kennen meinen Willen - und doch - doch ist es
möglich, dass Ihr gerade jetzt unter den obwaltenden Konjunkturen Eure gerechte
Sache verliert.«
    »Um Gottes willen!« rief Donna Julia, und sank erblasst in ihren Sessel
zurück, »so träfe mich ein ungeheurer Schlag da, wo ich es am wenigsten
fürchtete! Auch noch Bettler werden? Es wäre entsetzlich!«
    »Nicht gleich das Ärgste fürchtet«, sagte Farnese, indem er ihre Hand fasste
und sie freundlich drückte; »im schlimmsten Falle hättet Ihr reiche Freunde, die
Euch keinen Mangel würden leiden lassen.«
    »Keinen Mangel?« rief sie aus, »- und von Almosen leben! von Brocken, die
man uns auch willkürlich entziehen könnte! - In eine enge abgelegene Gasse
flüchten, die Tür für jeden anständigen freien Mann verschlossen halten müssen!
Nicht mehr imstande sein, einen Armen durch eine Gabe zu trösten, viel weniger
einem alten Gastfreunde eine Schüssel vorsetzen können! Das also wäre dann der
Beschluss meines Lebens.« - Aus ihren großen Augen stürzten brennende Tränen, sie
schien es nicht zu bemerken.
    Die große Gestalt des
