 ist er in
seiner Beschäftigung, in seinem Beruf doch ein wahrer Einsiedler; denn auf den
Weltlauf hat seine Arbeit auch nicht den allermindesten Einfluss. Dadurch aber
verliert er auch allen Maßstab, sich an sich selbst oder den übrigen Menschen zu
messen; denn an keinem einzigen Abende kann er zu sich sagen: heut hast du
einmal etwas Nützliches getan, du hast dem, du hast jenem fortgeholfen, jenen
verwirrten Handel hast du aufgeklärt, diese Gesellschaft, jene Zunft, der
Angeklagte, jener Vornehme muss dir danken. Ist er ohne Begeisterung, so fühlt er
sich, als sei er ganz ohne Bestimmung, besucht sie ihn, so meint er alle
Menschen zu überragen; dann ertönt das Lob der Freunde, die laute Bewunderung
der Menge, das Entzücken der Weiber und Mädchen - glaubt ihr, meine Freunde, dass
es viele so starke Männer, so feste Charaktere gebe, die mit richtigem Sinn das
alles genießen und fassen, die den Lorbeer nicht für strahlender als die
Königskrone halten, im Rausche nicht dahintaumeln, und das Leben eigentlich
verlieren sollten?«
    »Ja nun freilich«, sagte Kaporale, »kann es nur selten solche Menschen
geben, wie unser großer Ariost war. Tasso ist weicher und nicht so
selbstständig.«
    »Was die Fürsten betrifft« - fing Sperone mit einiger Feierlichkeit wieder
an - »traut doch dem alten Ausspruch: procul a Jove, procul a fulmine. - Vor
einigen Jahren besuchte ich auch eine Sammlung wilder prächtiger Tiere am Hofe
eines vortrefflichen Fürsten. Der größte Tiger lag in seinem Käfige und sonnte
sich, indem die bunten Flecken seiner schönen Haut; im Lichte freundlich
schimmerten. Man war oft so grausam gewesen, ihm lebende größere oder kleinere
Hunde als Atzung in seine Zelle hineinzuwerfen. Ich war daher nicht wenig
verwundert, als ich ein klaffendes Hündchen bei ihm sah, das uns mit munterem
Bellen begrüßte und auf seinem Tyrannen hin und her sprang, welcher sich allen
Mutwill von ihm gefallen ließ. Der Wärter erklärte meiner Verwunderung die
sonderbare Erscheinung. Vor mehreren Monaten war der Tiger an entzündeten
eiternden Augen erkrankt, so dass er sehr verstimmt und verdrießlich war. Es ist
schwer, einer solchen Bestie einen Doktor und Arznei beizubringen und, da der
hohe Patient auch kein Gemüse, oder Fastenspeise genießen mochte, so fürchteten
sich die Wärter selber vor dem Unwillen des zornigen Kranken. Man fuhr fort, ihm
Fleisch und zuweilen wieder lebendige Tiere in sein Behältnis zu werfen; denn
dies schien das einzige, woran er sich erfreute und zerstreute. Ein kleines
Hündchen ward ihm lebend zugeworfen. Dieses, ohne Furcht und Zittern, sprang auf
ihn freundlich zu, und leckte seine wunden Augen; jener ließ es sich gefallen,
fühlte sich erleichtert und tat
