. - Ah ja! Ihr seht recht ehrlich, ja
sogar recht weichmütig aus, es wird also wohl keine Finte sein, um noch andere
gute Kameraden in das Elend zu bringen. Wir hatten ehemals einen lieben
herrlichen Menschen unter uns, Ascanio genannt, ein sanfter Kerl, der uns mit
seinen Predigten immerdar vom Morden abhalten wollte; er war ein halber Pfaff
und dachte sich vielerlei Gutes bei den Worten Himmelreich, Gewissen, Religion
und dergleichen Schnurren, die uns tätige Menschen nichts angehn. Dieser Ascanio
war immer der Vertrauteste mit dem Oberhaupt jener Bande bei Subiaco, dessen
Namen wir alle nicht wissen; denn der närrische Ambrosio, den hier die Richter
dafür halten, ist nur so ein Beiläufer, einer, der das Mus einrühren hilft,
selten aber etwas zu fressen kriegt. Dieser Ascanio war immer wie unser
Staatsminister oder Geheimschreiber. Der weiß, was der Teufel selber nicht weiß
aber dabei ein Mensch, wie ein Lamm. Den guten Burschen haben sie jetzt in
Kastell Angelo eingesperrt, unter dem Vorgeben, er hätte falsche Münzen geprägt
und ausgegeben. Ist es wahr, so macht das dem pfiffigen Kerl alle Ehre, nicht
wahr? und er ist ja fast ein Genie, wie unser Benvenuto Cellini. Es kann aber
auch sein, dass es nur ein Pfiff der Unsrigen ist, dass sie ihn mit falschen
Aussagen dahin gebracht haben, damit er in ihrem Banditenprozesse nicht mit
figurieren soll. - Seht mal, guter Freund, ich vertraue Euch das alles so
treuherzig an, weil Ihr mir ehrlich ausseht. Und Ihr mögt darüber denken, wie
Ihr wollt, in meiner langen Erfahrung habe ich immer die meiste Treue und
Ehrlichkeit unter Spitzbuben, Dieben und Mördern angetroffen. Es ist ja auch
ganz natürlich, die tugendhaften Menschen in Eurer Welt leben von der Tugend,
das ist ihr Gewerbe wie es aber irgend ihr Vorteil mit sich bringt, dass sie mit
der Schelmerei mehr gewinnen können, schrammen sie aus und spazieren nebenbei.
Besonders, wenn sie keine Entdeckung zu besorgen haben. Dagegen wir armen
ehrlichen Schelme! Das Regiment bei uns könnte ja keine vierundzwanzig Stunden
bestehn wenn wir nicht untereinander Treue und Glauben hielten. Und welcher
Bischof, Graf oder Kardinal würde uns denn jemals vertrauen, wenn er uns für
ausschwatzendes Gesindel hielte? Vor zehn Jahren etwa haben sie mich zweimal auf
die Folter geworfen, aber der große Herr lebt noch in Ehren, Glück und Würde, so
wusste ich meine Zunge im Zaum zu halten. Und wahrlich, die Schmerzen, die sie
mir künstlich antaten, waren nicht klein. Ich habe auch jetzt den großen Mann um
Hilfe angesprochen, aber er lacht mich nur aus, und mit Recht, denn es ist zu
lange her, die Sache
