 werden als Edeltat angesehen und es
herrscht eigentlich nur so viel Sicherheit, als jene Mörder uns gönnen wollen.
Auch der Privatmann ist fast gezwungen, mit dieser oder jener Bande
einverstanden zu sein, um nicht von allen beschädigt zu werden.«
    »Ich mag an alles dies gar nicht denken«, warf jetzt die Mutter ein; »denn
ein Grauen befällt mich, als wenn unser Eigentum und Leben nur vom Zufall
abhingen und wir jedem Entsetzen preisgegeben wären. Alle Gespenstergeschichten,
die ich in meiner Jugend hörte, erwachen dann in meinem Innern, und unser Geist
ist der Sklave von nichtswürdigen Vorstellungen, die in unsern Nerven auf und ab
rieseln und uns das Haar emporsträuben.«
    »Nein, Mutter«, rief Vittoria: »scheltet mir nicht auf meine lieben
Gespenster und das poetische Grauen, das bei Anhören dieser Geschichten unsern
Geist gefangennimmt. Das ist wie kühler Morgenwind, der durch den Eichenwald
braust und alle Blätter in zitternde Bewegung setzt. So erfrischend und
wundersam sind auch die Legenden von wiederkehrenden Gestorbenen, von den
dunkeln Dämonen, die an einsamen Seen ihr Wesen treiben, jener seltsamen
Kobolden, die uns in gefährliche Sümpfe, oder im Gebirge an Abstürze locken
sollen; dann die Orakelstimmen in einsam abgelegenen Tälern, die Fähigkeit
Wahnsinniger oder Kranken, die Zukunft deutlich zu sehen, oder in fernen Gegenden
den Freund wahrzunehmen, und alle die Märchen von Zauberern und Beschwörern, von
den Bündnissen mit bösen Geistern. Schon des wunderlichen und rätselhaften Abano
oder Pietro Apone wegen möcht ich gar zu gern einmal nach Padua reisen, um mir
sein Haus mit dem großen Saal und seinen Brunnen zu betrachten. Käme so ein
großes oder kleines Gespenst in mein einsames Zimmer, so würde ich freilich
erschrecken, aber mich auch dieses Erschreckens freuen, und es recht bis in
meine innersten Kräfte hinein mit meinem Bewusstsein durchgeniessen. Ansehen würd
ich mir das Wesen, das mich seiner Bekanntschaft würdigte, und gewiss ohne
fieberhaftes Entsetzen von ihm Abschied nehmen. Ich habe mir den Fall oft genau
durchgedacht und bin meiner Fassung gewiss. Nein, das Geisterreich bietet uns die
Schrecken nicht, die der Wirklichkeit zu Gebote stehen.«
    »Wie meint Ihr das, Ihr poetische Amazone?« fragte Don Cesare.
    »Eine Vorstellung«, antwortete die Jungfrau, »verfolgt und ängstigt mich von
meiner frühesten Jugend. Ich bin allein in der tiefen Nacht, meine Familie ist
schlafen gegangen, meine Dienerin ist verabschiedet, ich will mein Lager
besteigen und die Lampe löschen, als plötzlich vor mir schreckliche Bösewichter
mit geschwärzten Gesichtern und dräuenden Waffen stehen: ich wende mich um, Hilfe
rufend, und auch von dort treten mir scheussliche, unbekannte Figuren entgegen.
Nirgend Rettung, Hilfe; das Wort stockt mir im Munde
