 werdet Ihr bleiben, der Papst ist gestorben, wir haben jetzt in
Rom keinen Herrscher, es bleibt zweifelhaft, ob der neue Euch in Eurer Würde
bestätigen wird. Jetzt ist also keine Regierung, und der Fürst, in dessen Hand
ich mein Versprechen gab, mich nicht zu vermählen, ist verschieden. Ihr wisst,
wie oft während des Konklave das unruhige Volk zu Meuterei und Aufruhr
ausgebrochen ist: versagt Ihr jetzt bestimmt mein rechtmässiges Verlangen, so
werde ich nicht scheuen, mir mit Gewalt zu nehmen, was nach menschlichen und
göttlichen Gesetzen mein ist. Wollt Ihr es wagen, in diesen Tagen der Anarchie
es zu einem Kriege zwischen uns kommen zu lassen? Wollt Ihr Euch meine und der
Meinigen unauslöschlichen Hass zuziehn, der Ihr vielleicht bald unsere Hilfe
brauchen könnt? Diese, wie meine Freundschaft und Liebe bleibt Euch versichert,
wenn Ihr Euch jetzt als ein verständiger und nachgiebiger Freund zeigt.«
    Der Gouverneur hatte weiter keine Antwort: er sagte nur, wie ihm Vittoria
unaufgefordert bezeugen werde, mit welcher Hochachtung, wie einer Tochter, er
ihr in dieser traurigen Zeit begegnet sei. Er führte ihn hierauf selbst in die
Zimmer der Gefangenen und ließ sie nach einigen Bezeugungen der Höflichkeit
allein, indem er die schöne Gefangene als frei dem Gemahle feierlich übergab. -
    Beide umarmten sich in Freude und Rührung weinend. »So hat die Zeit«, sagte
der Herzog, »doch endlich die glänzende Woge heraufgewälzt, die mein Glück,
meine Seligkeit trägt. Nicht wahr, das Leben ist doch ein großes Geschenk, ein
himmlisches Wonnegeheimnis jenes ewigen, unnennbaren Geistes? Ja, er liebt seine
Geschöpfe, und wir wollen es dankbar erkennen.«
    »Wenn uns nur nicht immer«, sagte Vittoria, »in diesen großen Momenten ein
sonderbarer Schwindel ergriffe. Es ist kein Zagen, kein Zweifeln, keine
Ungewissheit unsrer selbst, auch keine Furcht vor Gegenwart und Zukunft - nein,
mein Geliebter, nur, als wenn dem Dichter im Moment der höchsten Begeisterung,
wenn er alle seine glühenden Strophen in die Saiten rauschen möchte - plötzlich
die goldne Lyra in der Hand zerbräche und seine silberne Stimme durch Heiserkeit
stumm gemacht würde - so fehlt uns Sterblichen der Ausdruck für das höchste
Glück, die Freude ist mit dem Schmerze zu geschwisterlich verwandt; für Unglück
und Leid sind tausend Fühlungen in uns.«
    »Gedankenreiche, melancholische Braut«, sagte der Herzog lächelnd, »so
möchten wir uns dem Krebse vergleichen, der ungeschickte Glieder zum
Rückwärtskriechen, aber keine zum Vorschreiten hat.«
    Er umarmte sie herzlich mit einem glühenden Kuss und führte sie hinab, um mit
ihr den Wagen zu besteigen.
    Der Bischof erwartete sie schon im Palast. In der Kapelle ward von ihm die
Trauung feierlich
