, die teils ihre Strafzeit überstanden, teils sich
empört und mit Gewalt befreit hatten.
    Der nächste nach Luigi im Kommondo der Banden war der Graf Pignatello, der
grausame Mörder des Vitelli, sowie der Graf Ubaldi aus Arezzo, ebenfalls ein
verwegner Mensch, der auf unwürdige Art sein Vermögen verschwendet hatte und
jetzt in Verzweiflung und leichtsinniger Frechheit keine Rücksicht der
Menschlichkeit mehr anerkannte.
    Ein besserer Mensch war durch Verarmung und traurige Schicksale in die
Gesellschaft dieser Verworfenen geraten, der Graf Francesco Montomellino. Er war
von mittleren Jahren, wohlgebaut, stark und sein Wesen hatte den Ausdruck eines
edlen Mannes. Auch ihn hatte Unglück und Verzweiflung, aber nicht Bosheit diesen
Banden und einem Luigi zugeführt. Es war eine von den Erscheinungen in der
menschlichen Natur, welche öfter wiederkehrt, dass Orsini sich mit Vertrauen, ja
Liebe, an diesen besseren Mann anschloss, der ihm so unähnlich war, den er mehr
achten musste, als sich selber: Graf Montomellino war ihm bald so unentbehrlich,
dass er keine Stunde ohne ihn leben konnte und er in dessen Gesellschaft sogar
seine Gattin und alle früheren Freunde, die ihm nicht gefolgt waren, vergaß.
    Unter den Galeerensklaven hatte sich auch jener junge Kamillo Mattei, der
Neffe des alten Priesters Vinzenz in Tivoli, eingefunden. Er wagte es nicht,
nachdem er seine Strafzeit überstanden, nach Rom zu seinen Eltern
zurückzukehren, da ihn Schande und Schmach bedeckte, und er nicht hoffen konnte,
auf irgendeine Weise in seine frühere Stellung zurückzukehren. Ein glühender Hass
gegen die Familie Accoromboni war in ihm entbrannt, so wie gegen alle Vornehmen,
und da er wusste, wie sehr die stolze Vittoria den Luigi Orsini verabscheute, so
hatte er sich diesem und seinen Freibeutern am liebsten angeschlossen.
    Von Marcello hatte man nur wenig erfahren können. Das Gerücht sagte, dass er
sich beim Heere des Piccolomini befinde welches bald in den florentinischen,
bald in den neapolitanischen Staaten umstreifte und oft wieder die Grenzen des
römischen Gebietes beunruhigte.
    Als Flaminio sich in Rom wieder nach seiner Mutter umsah, um ihr Hilfe zu
bringen, war sie ohne Spur verschwunden, und jede Forschung und Nachfrage
vergeblich. In der Verwirrung ihres Geistes hatte sich die unglückselige Matrone
scheu und tief bekümmert von allen Menschen zurückgezogen. Sie zürnte sich und
aller Welt, den Menschen wie dem Himmel, weil sie sich nicht still ergeben und
fügen konnte, sondern ihr Gefühl ihr zurief, dass in ihrem Unglück ihr vom
Schicksal das herbste Unrecht zugefügt sei. So ließ sie auch oft ihren
liebevollen Sohn Flaminio abweisen, und wollte ihn nicht sprechen, weil sie über
seine weiche und charakterlose Unbestimmteit zürnte: auch auf den Herzog
Bracciano war sie erbost, und wies mit schnöden Worten alle Hilfe zurück, die er
ihr großmütig anbot
