 ersetzen zu können.«
    Vittoria war im Innern über diese wohlgesetzte Rede aufgebracht, aber sie
hatte nicht den Mut, in Kamillos Gegenwart ihr Erzürnen kundwerden zu lassen, um
nicht einen vielleicht unziemlichen Auftritt herbeizuführen. Die Mutter merkte
ihre Verstimmung, sie hatte sich aber fest vorgenommen, sich durch nichts in
ihrem Entschluss irremachen zu lassen. Kamillo erwiderte stotternd und mit hoher
Röte im Gesicht: »Signora, ich werde noch acht Tage hier in Tivoli verbleiben,
so hat es mir der Arzt befohlen, den Ihr mir zu senden die Gnade hattet. Ich
werde dann nach Rom zurückkehren, aber ganz in Zweifel und Ungewissheit, mehr als
je, ob ich auch würdig genug sei, mich dem geistlichen Stande widmen zu können.
Es ist gar zu schmerzlich, sein ganzes Leben einem Berufe zu weihen, den man mit
entschiedenem Widerwillen antritt. Ihr wollt mich beschützen - oh, wie glücklich
würde ich mich fühlen, wenn Ihr mir irgendwo, sei es in Venedig, Florenz, oder
wo es auch wäre, eine Stelle und Aussicht beim Soldatenstande schaffen könntet.
Oder wenn sich ein Kaufherr in Genua oder ein Venezianischer meiner annehmen
wollte. Ich fürchte, ich bin nicht fromm; zwinge ich mich also, ganz gegen
Neigung, in das geistliche Wesen hinein, so ist zu besorgen, dass ich aus Tücke
und Widerspruch, wie der Mensch nun einmal ist, auf gar arge Ketzereien geraten,
und in dem Zustande Leib und Seele verlieren möchte.« -
    »Junger Mensch«, sagte die Matrone mit kalter Sicherheit, »Ihr kennt Euch
selbst noch nicht hinreichend. Folgt meinem Rate, denn er ist gewiss der beste.
An meinem eigenen Sohne Marcello erlebe ich es, wie schwer es ist, den Söhnen
eine andere Laufbahn, als die der Kirche, zu eröffnen. Beim Soldaten hat der
Edelmann immerdar den Vorzug, und alle die großen Häuser in Italien sorgen
dafür, dass bei allen Fürsten in den Ländern ihre Schützlinge und Anverwandten
die einträglichen Stellen erhalten. Mit Kaufleuten stehe ich in gar keiner
Bekanntschaft, denn meine Verbindungen, durch welche ich Euch nützen könnte,
erstrecken sich eben nicht über Rom hinaus. Bei der Bestimmung unseres Lebens
dürfen wir nicht zuviel auf unsere Neigungen oder Leidenschaften hinhören, denn
das Schicksal des Daseins, dem wir in dem Augenblicke der Bestimmung
entgegentreten und es herbeirufen, ist zu ernst, um Spiele und Gewöhnungen der
Kindheit, jene leichten Blüten, die den Früchten weichen sollen, mit
hinüberzunehmen. Dadurch, dass Ihr uns bekannt seid, dass wir Euch so innig
verpflichtet wurden, so dass ich gezwungen bin, für Euch wie für einen lieben
Verwandten zu denken und zu sorgen, dadurch, dass es sich fügt, dass wohlwollende
Gönner und Freunde von
