 mit der hohen Jungfrau als Freund und Feind
gewesen war, wo er noch zuletzt, als er zuerst Peretti erblickte, jene Zornworte
außstieß, die doch, sosehr die Familie Accoromboni gesunken war, sich nicht
erfüllt hatten. -
    Die Regierung Roms war in der größten Verlegenheit. Der alte Papst, von
Natur ein weicher Mann, und ebenso schwach, hatte alle Fassung verloren. Ihn
gereuten die Befehle, die er gegeben hatte, denn er hatte diesen Aufstand nicht
erwartet, der noch gefährlicher werden konnte. Dazu ängstigten ihn Schadenfrohe,
wie der Kardinal Farnese, der seine Befürchtung aussprach, ganz Rom könne in
eine allgemeine Empörung ausbrechen, und den Papst wie die Regierung zur Flucht
zwingen, wenn sie sich nicht in Tod und Verderben begeben wollten, denn alle
Bürger, auch die Landleute drohten, die Partei des Adels zu ergreifen.
    Montalto, Ferdinand der Medicäer und Karl Borromäus waren im einsamen Zimmer
versammelt, um diese Begebenheit zu besprechen. »Es ist keine Hilfe«, sagte
Montalto, »der Heilige Vater ist allzu schwach, er hat keine Kraft, den
übermütigen Adel zu bändigen. Er beweint den Befehl, den er kürzlich dem
Oberhaupt der Sbirren gegeben hat.«
    »Ja wohl«, sagte Fernando, »und er schmäht unsre Regierung, den Governador,
den er doch so innig liebt und sich und uns alle, denn soeben hat er das
Todesurteil für die wenigen Sbirren unterschrieben, die sich in seinen Palast
geflüchtet haben, und er lässt sie als Empörer und Rebellen hinrichten, die sich
gegen ihn und die Stadt eigenmächtig aufgelehnt haben. Wie muss nun der Übermut
jener zügellosen Adelsjugend, dieses rohen Volkes wachsen, wenn ihnen der
Souverain, vor dem sie zittern müssten, öffentlich so schimpfliche Abbitte tut,
indem er diejenigen seiner Diener schmählich aufopfert, die nichts getan haben,
als seinen Befehlen Folge leisten.«
    »Es ist nichts mehr darüber zu sprechen«, fügte Borromäus hinzu: »der
Barigell, ein braver mutiger Mann, hat sich nach der Grenze gerettet. Man hat
schon hingesendet, um ihn ausliefern zu lassen, und ein peinlicher Prozess soll
ihn wegen Veruntreuung von Geldern, wegen einer geheimen Verbindung mit einem
andern Obristen, einem gewissen Antonio in Subiaco, und Verrat und
Einverständnis mit Banditen gemacht werden. Ihm wird auch der Kopf abgeschlagen,
wegen veralteter undeutlicher Klagepunkte, weil man es nicht wagt, den
Verständigen wegen des letzten Unglücks zur Rede zu stellen. So wird diesem
jungen Volk geschmeichelt und allen Patrioten sowie dem Auslande unsre Schwäche
aufgedeckt. Und werden denn diese grausamen Sühnopfer jene Unbändigen
zufriedenstellen? Ich glaube es nicht. Man weist ihnen ja selber die Bahn an,
auf welcher sie immer mehr und mehr fordern können. Ich fürchte noch
