 hemmenden Umstand in Erwägung ziehen - was ist das Geschwätz der
Menge? das Lästern jener Moralisten, deren engherziges Gemüt niemals das Große
begreifen kann? Und können wir es uns denn nicht mit sicherer Überzeugung sagen,
dass nicht gemeine Lust oder Leichtsinn uns unüberlegt in diese Bahn wirft? Ist
die Liebe das Edelste der Welt, so muss sie endlich auch, nach langer Entsagung,
ihren Preis erringen.«
    »Liebster«, antwortete sie, »ich habe dir schon sonst über diesen Gegenstand
offen und wahr meine Meinung gesagt, meinen festen, unerschütterlichen
Entschluss. Ihr übrigen Menschen fasst es nicht, von welchem Elend uns damals der
edle Montalto auf so edle Art errettete: diese scheinbare Ehe, es ist wahr, ist
nichtig und ungültig, ich habe sie niemals anerkannt, und seit ich dich sah,
völlig in meinem Gemüt, wie für die Wirklichkeit vernichtet. Auch wagt es
Peretti nicht, mir darüber Vorwürfe zu machen, er weiß, wie ich ihn verachte, ja
wie sehr ich Grund hätte, ihn zu hassen, wenn er mir nicht zu unbedeutend wäre.
Aber ich kann meine großartige tugendhafte Mutter nicht so kränken, die schon
ein stiller Gram verzehrt und ihr Leben untergräbt. Ihr und dem armen Peretti
habe ich feierlich versprochen, diese, von der Welt so laut ausgerufene Ehre
nicht zu verletzen. Und wie sollte ich den gerechten Vorwürfen, oder gar dem
Blick des tugendhaften Montalto begegnen können? - Mit dir entfliehn? - Und
diese Kardinäle, deine Familie, Florenz und die Fürsten Italiens - welch
Geschrei, welche Anklage würden sie erregen, welche Verfolgung! Und
hauptsächlich gegen mich, denn in diesen Fällen ist das Weib immerdar das Opfer.
Nun würdest du gekränkt und verletzt sein, dein hoher Rang und deine Würde
verwundet, und es wäre nur das natürlichste, dass unsere Liebe, die wir jetzt,
und mit Recht eine ewige nennen, getrübt und krank hinsänke. - O warum bist du,
der du bist: mit allen diesen reichen großen Familien, diesen Kardinälen und
Fürsten nah und näher verwandt, mit zwei schönen Kindern gesegnet, um deren Erbe
man besorgt sein würde - warum bin ich, von den Umständen gedrängt, auch in
diese hohe Verwandtschaft getreten, warum habe ich, so fest ich auch zu sein
glaubte, meine Freiheit geopfert? - Sieh, Geliebter, so hat sich unser
Verhängnis durch und gegen unsern Willen geschmiedet, und unzerreissbare Ketten
um uns gelegt. Keine Menschenkraft kann sie zerreißen. Und sind wir denn nicht
glücklich? Wahrhaft beseligt? Wie arm, niedrig, und tief unter mir, erscheinen
mir alle die übrigen Menschen, wie bejammernswürdig, dass sie nicht so lieben,
wie wir.«
    »Nicht solche Worte!
