,
mit welcher er sich auch nach einiger Zeit vermählte, zum Erstaunen vieler
Römer, welche es nicht begreifen konnten, wie die edle, von allen verehrte
Jungfrau sich mit dem Ausgelassensten der römischen Jugend verbinden könne.
    Es war ein Fest und ein Maskenball unter den jungen Leuten veranstaltet
worden, an welchem auch Peretti teilnehmen sollte. Vittoria entzog sich seit
einiger Zeit diesen rauschenden Vergnügungen, und so auch dieser Anstalt, und um
so mehr, weil man beschlossen hatte, dass das Festino bis in den folgenden Tag
hinein dauern sollte. Die Mutter war unwohl und ging früh zur Ruhe, alle
Bekannte und Freunde, jeder Besuch war abgewiesen worden, und so hatte Vittoria
Gelegenheit, sich wieder einmal ganz der Einsamkeit zu ergeben, die sie jetzt
mehr als je gern aufsuchte, sooft es nur irgend möglich war. Denn dem
beobachtenden Freunde entging es nicht, dass sie viel ernster war, als früher,
dass jene jugendliche übermütige Laune, die sie ehedem so reizend machte, sie
jetzt nur noch selten besuchte. Heut am Abend überließ sie sich gern den
süßesten Träumen, weil es verabredet war, dass Bracciano sie sehen, und ungestört
bis spät sich ihres Gesprächs und ihrer Gesellschaft erfreuen solle. Der Herzog
kannte ihr Wesen und ihre Festigkeit so gut, dass er mit keinen neuen Hoffnungen
zu ihr schlich, und sie durfte sich so vertrauen, dass kein Flehn oder liebliches
Träumen ihre Entschlüsse in dieser nächtlichen Einsamkeit erschüttern würden.
    Ursula, die Vertraute, ließ auf ein gegebenes Zeichen den verkleideten
Fürsten in den Saal. Vittoria erwartete ihn beim Scheine einiger Kerzen, sie
hatte verschiedene ihrer Gedichte hervorgesucht, die sie ihm nach seinem Wunsche
mitteilen wollte. Bracciano war sehr feierlich gestimmt und nahm traurig und
nachdenkend Platz an ihrer Seite. Sie erlaubte ihm gern Kuss und Umarmung und
beide ergingen sich dann in süßen Plaudereien, die nur Liebende zu schätzen
wissen, in jenen Kleinigkeiten, die den übrigen Menschen nur unbedeutend
erscheinen, und an denen sich die Berauschten entzücken.
    Endlich sagte Bracciano: »Und du willst dies Elend noch ferner so ruhig mit
ansehen, in welchem wir beide verstrickt leben? Es ist dir nicht möglich, einen
großen, herzhaften Entschluss dir abzuringen, um uns eine neue Bahn zu brechen?
Können wir nicht nach Venedig gehen, selbst nach Toskana, oder Frankreich und
Deutschland? Alles, was ich besitze, lege ich zu deinen Füßen: meine
Verbindungen, mein Rang sichern dir in jedem Lande eine ehrenvolle Aufnahme, wer
weiß, was indessen hier mit dem schwachen, oft kränkelnden Peretti geschieht,
und dann erkläre ich dich vor aller Welt für meine Gemahlin. Gilt es das Glück
des ganzen Lebens, die höchste Wonne unseres Daseins, so muss man nicht zu
zaghaft jeden
