 zu deinen Füßen muss ich
liegen, im Staube vor dir und deine Füße küssen, als dein Huldiger oder
demütiger Sklave, dem deine Hoheit, deine Gnade erst die Freiheit schenken
kann.«
    Er warf sich nieder und barg schluchzend sein Haupt in ihren Schoss. So
überließ er sich einige Momente dem seligen Genuss jener wehmütigen Hingebung,
jener Auflösung aller Kräfte und Gedanken, wo wir uns selbst enfliehen und uns
verlieren, und nur noch in den Pulsen der süßesten Rührung unser Leben fühlen.
Sie legte weich und zart die rechte Hand in die Locken seines Haars, und er
fühlte sich jetzt, wie erwachend durch und durch beglückt, weil ihm war, als
segnete ihn der höchste Engel des Himmels und spräche ihn von allen seinen
Sünden frei.
    Unangemeldet, wie er als nächster Verwandter, sich dieser Freiheit bedienen
durfte, war der Bruder Vittorias, der Bischof Ottavio hereingetreten. Er warf
einen boshaften prüfendes Blick auf die Gruppe und fragte die Schwester, die
sein Eintreten auch nicht bemerkt hatte: »Vittoria! ist Seiner Exzellenz nicht
wohl?«
    Vittoria sah, ohne zu erschrecken auf, und ruhig erhob sich der Herzog,
blickte, noch Tränen in den Augen, den Bruder mit festem Gleichmut an und sagte:
»Sehr wohl, Herr Bischof, war mir, so freudig bewegt, wie selten im Leben: Eure
Schwester hatte mir eben einige ihrer neuesten Gedichte hergesagt, und diese
sind so schön, dass ich ihr nur auf den Knieen meinen Dank sagen konnte. Ihr
seht, ich schäme mich dieser schönen Rührung nicht, dass auch die Stärke des
Mannes von dem Zauber der Poesie zerschmelzen kann.«
    »Immer eine seltene Erscheinung«, erwiderte mit fragendem Lauschen der
Bruder; »möchte mir die Schwester die schönen Ottaven oder Sonette nicht
ebenfalls mitteilen, damit ich die Erfahrung machen könne, ob mein Gemüt
vielleicht weniger nachgiebig wäre?«
    »Du würdest diese Verse doch nicht begreifen«, sagte Vittoria kalt, stand
auf und verschloss die Blätter in ihrem Schrank.
    »Ich bin freilich«, sagte der Bischof, »in der Poesie nicht so eingeweiht,
wie hochbegabte Kenner, indessen sollte doch wohl, was so gewaltige Rührung
hervorbringen kann, auch dem Laien verständlich sein.«
    »Nicht immer«, sagte Bracciano, indem er seinen Hut nahm und sich zum
Abschied rüstete: »es gibt Stimmungen, in welchen die Kunst der Musen leichter
Eingang in unsere Herzen findet, als in andern kältern Augenblicken.«
    »So muss es wohl sein«, erwiderte Ottavio, »und Eure Exzellenz ist natürlich
seit dem Tode Ihrer schönen Gemahlin, mehr als früher, zu solchen Tränen und
Rührungen aufgelegt.«
    »Signor«, sagte der Herzog und trat ganz
