 verfallen: dies ist aber so schwach und ohnmächtig, dass es die
Straffälligen nicht ergreifen und festhalten kann. Sie sind also die kräftigeren
Naturen, die freien, selbstständigen, dem schwankenden Staate mit seinen
zagenden Anstalten gegenüber. Sie sagen also durch ihren öffentlichen Austritt
dreist und öffentlich: das Wesen, welches ihr einen Staat nennen wollt, erklären
wir für untergegangen; hier in den Feldern, Bergen und Wäldern bilden wir
vorläufig den echten, wahren Staat, auf Freiheit gegründet, im Widerspruch aller
jener quälenden, engherzigen Hemmungen und unverständigen Bedingungen, die ihr
Gesetze nennen wollt! Alles, was sich losreißen kann, was der Freiheit genießen
will, kommt zu uns, und früher oder später muss unsre Gesinnung die im Lande
herrschende sein, aus unserer Kraft muss sich neue Verfassung, ein besseres
Vaterland entwickeln, und die schlimmern Räuber, die engherzigen, klüglich
Eigennützigen, die zaghaften Egoisten sitzen, von uns verbannt, hinter ihren
morschen Mauern und wurmstichigen Gesetzen, an welche sie selber nicht mehr
glauben. Wahrlich, nach dem, was wir hier erleben, liefern wir eine Erklärung
zum ersten Buch des großen Paduaners, unsers Livius, dessen beginnende Erzählung
manche Zweifler für eine Fabel haben erklären wollen. Scharen solcher Verbannten
und selbständigen Männer haben das starke Rom gegründet, aus diesem Blut und
Stamme sind die Welterrscher entsprossen, die ihre Gesetze und ihren Willen
über den Erdkreis trugen. Werden diese Freien einmal bei uns von den Gefangenen,
Furchtsamen besiegt, so ist wohl die letzte Kraft Italiens erloschen. Denn keine
knechtische Scharen eines Spartakus sind es, sondern die im Überfluss, im
Reichtum Erzogenen, die wahren Aristokraten: freilich zitterte vor jenen das
starke, festgegründete Rom und unterwarf sie endlich: bei uns zagt und zittert
jedermann, an sich verzweifelnd, ohne kräftigen Widerstand zu leisten; doch kann
vielleicht diese laue Schwachheit den Sieg davontragen, denn diese dem Staat
Empörten sind auch oft gegen sich selbst empört, sie kämpfen gegeneinander, und
es hat sich erwiesen, dass sie weit ernstlicher gegeneinander fechten, als die
Soldaten und gedungenen Söldlinge des Staates gegen sie. So stehen diese Freien
denn auch in Dienst und Lohn der hiesigen und auswärtigen Mächtigen und reiben
sich zuweilen untereinander auf. Jeder der Magnaten hat seine Bande, auf die er
zählen kann, die stets willig ist, ihm gegen den Staat, aber auch gegen einen
andern Tyrannen Hilfe zu leisten. So wird ein Schwert, welches Bosheit, Rache
und Grimm zücken möchte, von einem andern Kräftigen in der Scheide festgehalten,
und so sind diese Verbannten die wahren Schützer unsers Lebens und unsrer
Sicherheit, die Beschränker der Tyrannei und Willkür, ganz anders wie unsre
Gesetze, über welche der Mächtige nur lacht. Eigentum, Leben, Freiheit ist
gefährdet,
