 anscheinender Gesetze,
Herrschaft und Verwaltung, in einer wahren Anarchie nur noch dahinschmachten.«
    In einer andern vornehmen Gesellschaft fand der Graf Pepoli den unbändigen
Luigi Orsini. Er betrug sich mäßiger und mit besserem Anstand als gewöhnlich,
denn er war in Gesellschaft der schönen Leonore, aus dem altberühmten Hause
Savelli, mit der er sich seit kurzer Zeit verlobt hatte. Diese schöne edle
Gestalt zeigte in ihrem sanften und zarten Wesen vielen Stolz, und man konnte
bemerken, dass sie selbst den starren Sinn ihres Bräutigams schon jetzt gebrochen
hatte. Graf Pepoli erschrak fast, als er mit Orsini den Grafen Pignatello im
vertrautesten Verhältnis fand, jenen Verruchten, der ein Anführer der Banden, im
Walde von Subiaco Ascanio und den Grafen Pepoli hatte ermorden wollen.
    »Ah Don Giovanni«, rief Vittoria dem Grafen entgegen, als er in den Saal
trat, »Ihr kommt gerade recht, mir in einem Streite beizustehn, den ich fast
schon verloren habe.«
    Der Eintretende fand eine ziemlich große Gesellschaft versammelt, unter
welchen der Herzog von Bracciano und der Kardinal Farnese die vornehmsten Gäste
waren. »Um was handelt es sich, edle Donna?« fragte der Graf: »ich werde Euch
nur von geringer Hilfe sein können, wenn ein Geist, wie der Eurige, seine
Behauptung schon beinah fallenlässt.«
    »Unsre Freundin«, sagte Bracciano, »liebt es zuweilen, paradoxe Meinungen zu
verteidigen. Und ihr ist es nicht genug, den Schwächern, wie mich, in
Verlegenheit zu setzen, sondern sie geht viel weiter, und will uns beschämen. So
äußert sie ihre Freude darüber, dass der Heilige Vater mit dem Piccolomini, als
wenn dieser Neapel oder Florenz selber wäre, einen Frieden abschließen muss, dass
ein ehrwürdiger Kardinal sich dem Geschäfte unterzieht, und dass wir alle, wenn
wir leben und gedeihen sollen, die Obermacht eines Piccolomini oder Sciarra
anerkennen müssen.«
    »Und doch beschuldigt sie uns«, fuhr Farnese fort, »dass wir diese Banden
erschaffen haben, dass sie in unserm Solde stehen, und dass wir gleichwohl von
ihnen abhängig sein sollen.«
    »Meine Meinung ist nur«, erwiderte Vittoria mit Lebhaftigkeit, »dass diese
Empörer, Verbannte, Räuber und von der Gesellschaft Ausgestossene bei unserer
Verwirrung notwendig, ja dass sie eine Wohltat zu nennen sind. So wie fast alle
Gesetze bei uns ihre Kraft verloren haben, wie jeder tut, was er will, wie der
Mächtige jedes Gelüste befriedigen kann, wie keiner ihm widersprechen darf, so
frage ich nur: was würde aus uns hier werden, wenn diese Verbannten, die zu
einer großen selbstständigen Macht angewachsen sind, nicht einigermaßen diese
Willkür hemmten und zügelten? Alle diese furchtbaren Menschen sind freilich dem
Gesetz
