 hier an diesem Zauberbrunnen nach ihrem Lancelot
ausschaut. Es fehlen nur die Frühlingsvögel, um mit ihrem sehnsuchtsvollen
Gesang das Poetische dieser schönen Stelle zu vollenden. - Nur du hast deinen
dichterischen Mutwillen eingebüßt und ich muss hier allein phantasieren.«
    »Du hast in Rom«, erwiderte sie, »oder wo es sein mag, deine
Dichterschwingen entfalten lernen, denn früher habe ich dich in solchen Reden
und Gleichnissen niemals vernommen.«
    Bracciano wurde plötzlich sehr ernst und tiefsinnig; denn ein holdseliges,
großes, glänzendes Bild stieg in seiner Imagination auf. Gegen diese Erscheinung
war diese, die zu ihm sprach, nur eine geringe, unbedeutende - und jene, wie
fern ihm! Von den Verhältnissen der Welt ihm entrissen. Er und die Herrliche
angekettet an dürren Zwang, der in sich selbst weder Kraft, Notwendigkeit, noch
fesselnde Gewalt zu haben schien. Das ist von jeher den starken Gemütern das
traurigste, kläglichste Gefühl gewesen, sich diesen Zufälligkeiten fügen und
sich demütig dem Einspruche resignieren zu müssen, den ihr Herz verachtet.
    Plötzlich fuhr er auf, und sie ritten nach der Wohnung zurück. Als es
finster geworden war, erhob sich ein Sturm und Gewitter. Der Wind brausete
furchtbar durch die Waldung, die alten Stämme schüttelten sich und die
brechenden Zweige krachten zum Erschrecken. Dann kam ein starker, sausender
Regen, und ihm folgten Blitze und brüllende Donnerschläge. Man setzte sich zum
Abendessen, die Herzogin zagend, der Mann frohen Mutes, denn ihn ergötzte stets
bis zu lauter Freude dieser Aufruhr in der Natur.
    Ein alter Kammerdiener, der aus Florenz kam, ließ sich noch am späten Abend
melden. »Wer sendet dich? Was willst du?« rief ihm Bracciano entgegen.
    »Vergebt, mein gnädiger Herr«, antwortete der Alte, »dass ich so nass und
triefend vor Euch erscheine: es ist aber die Nachricht nach der Stadt gekommen,
dass auf dem alten Schloss der Medicäer, dort in Kafaggiolo, die Dame Eleonora
plötzlich verschieden ist.«
    »Wie?« rief Isabella, und ward totenbleich.
    »Woran ist sie, so jung noch, gestorben?« fragte Bracciano ganz ruhig.
    »Am Herzklopfen«, sagte der alte Diener; »der Prinz Pietro ist selbst in
größter Eile mit dieser Trauerbotschaft nach der Stadt geritten. Er selber ist
aber gar nicht traurig, sondern wüst und wild wie immer. Deshalb wird auch schon
allenthalben laut geschwatzt und vielerlei erzählt: und er selbst soll gar nicht
einmal widersprechen, sondern gleichsam durch sein Stillschweigen alles zugeben:
dass er sie nämlich im einsamen Zimmer mit eignen Händen erwürgt, oder erdrosselt
habe, um sie wegen ihres schlechten Lebenswandels zu bestrafen. Es ist aber
immer hart und grausam, eine
