 hören, sondern durch die Macht der
übergangnen dazwischenliegenden Harmonien, diese halten den hörbaren
körperlichen Geist der Musik durch ihre unhörbare geistige Macht verbunden mit
sich. - Das ist das ungeheure Einwirken auf uns, dass wir durchs Gehörte gereizt
werden zum Ungehörten; denn wir sind durch einen Ton mit allen verwandt und
durch alle mit jedem einzelnen besonders; allein ich kann's sagen - gewiss, ich
bin während der Musikprobe auf einen Gedanken gefallen, wie Gott die Welt
erschaffen hat. - Das große Wort: Es werde, leuchtet mir ein. Ohne das Eine ist
Alles nichts; ohne Alles ist nicht das Eine. Im Atemzug wallt die ganze
Schöpfung: Feuer, Erde, Luft und Wasser, und alles Leben, und alles Sein ist
Vermählung dieser vier Geister, die das Leben des Weltalls sind. Diese vier
schaffen und erzeugen auch sich selbst im Geist, den sie ineinander vereinigen.
Musik ist Selbsterzeugung dieser vier Elemente ineinander. In jedem Wesen, das
lebt, erzeugen sich die Elemente; das ist Geist, der ist Musik. Auch das Tier
hat Musik, es ist sinnlich durchdrungen von Wasser, Luft, Erde und Feuer, von
ihrem Geist, der in ihm sich erzeugt, darum wird's so aufgeregt durch Musik,
weil seine Sinne in ihr schlummern, träumen, und alles hat gleiche Rechte an die
Gottheit, was durch Selbsterzeugung der Elemente in ihm zu Geist erhoben wird. -
Ich hab's aufgeschrieben, ich starr diese Zeilen an und weiß nicht, was ich
sagen wollte. -
    Am lichten Tag zerstiebt das Geisterheer der Gedanken, aber dort unter der
Leinwand, wo die Sonne durch die gesammelten Wassertropfen auf mich tropfte, wo
ich im Netz gefangen lag all der blühenden Gräser, dort war mir's klar: Nicht,
was wir mit den Sinnen vernehmen, ist wahre Wollust, nein! - vielmehr das, was
unsere Sinne bewegt - zum Mitleben, Mitschaffen, das ist Leben, das ist Wollust
- wirkend sein! - Genug, die Geister waren mächtig in mir während der Musik;
deutlich riefen sie mir zu: »Eine Geige nimm und fall ein, so wie du fühlst, dass
du zur Entfaltung des Harmonienstroms mitwirken kannst, und kannst ihn heben und
dich geltend machen im Verbrausen deiner Begeisterung - und dort auf der Höhe
dich ausdehnen, dich fühlen in jedem Ton durch die Verwandtschaft deiner Stimme
mit.« - Sollte einer Harmonielehre verstehen und mit Verstand anwenden, er müsste
heimlich die Welt beherrschen, ohne dass es einer merkt, und das ganze Universum
kläng ihm wie eine Symphonie, und die ganze Weltgeschichte trommelte und pfiff
und schalmeiete zu seinem großen Weltpläsier.
    Ja, ich versteh's, dem Hoffmann werd
