. - Wahrlich, ich möchte gern wissen -
nicht wie mit der alten raupenfrässigen Geschichte. - Ach Gott! - ich hab keine
Aussicht! - Gestern abend ging ich noch nach dem Nachtessen hier im Garten; da
hört ich ordentlich das Gras wachsen, aber so was gilt nicht für Gescheiteit
oder Verstand. Die grünen Äpfel am Spalier unterm grauen Laub, die bepelzten
Pfirsich muss ich respektieren, die kommen vorwärts, aber ich - da wollt ich mich
besinnen, auf was ich von je an gelernt hab, da kann ich doch nicht die
Gebetchen mehr, die ich vier Jahr lang jeden Tag hersagte. Das Vaterunser, den
Glauben, den englischen Gruß kann ich nur noch bruchstückweis; den ganzen
Sommerabend, auf den ich so lüstern war, hab ich versimuliert, um den Glauben
wieder zusammenzuflicken: »Aufgefahren zu den Himmeln« - so weit - schreibe
mir's im nächsten Brief was folgt. - Aber im Grund: - Aufgefahren zu den
Himmeln, wär ein gut End, wenn Du's also auch vergessen hast, so schad's nichts,
so brauchen wir beide es nicht zu wissen; aber nachkommen tut noch was, das weiß
ich. -
                                                                         Samstag
Ach gestern war ein Tag voll Sonnenschein, die Mückchen und Käfer haben ihn
vertanzt und versummt, die verstehen das Schwelgen im Genuss; ich hab sie
belauscht, im hohen Gras überbaut von der Leinwand, die da auf der Bleiche
liegt. Die alte Kousine begoss sie ein paarmal in der Mittagsglut, es dauerte
eine Weile, bis die einzelnen Tropfen durchkamen und mich benetzten, ich hörte
da unten der Musikprobe zu von den Symphonien, die aus dem Boskett
herüberschallten in mein ungebildet Ohr und es in Erstaunen setzten über alles,
was es nicht fassen konnt. Musik - in Tönen daher getragen durch die Lüfte, die
ganze Gewalt der Offenbarung über uns ausströmend und dann verschwebend - wer
kann sie wieder wecken, wenn sie verhallt ist; ich bin so närrisch, mir deucht,
ich müsst verzweifeln, dass sie verklungen ist und hab ihr nichts abgewinnen
können. So wird's noch manchmal gehen, es wird klingen und ich werd's nicht
fassen. Gestern sprach ich mit der Großmutter, die sagte: »Was der Verstand
nicht fasst, das begreift das Herz.« - Ich begreif das wieder nicht.
    Heut morgen sagt der Hoffmann: »Der einfache Harmoniensprung ist, wenn
zwischen zwei aufeinander folgenden Akkorden eine Harmonie im Verstande gehört
wird.« - Ich hör nicht im Verstand diese Harmonie, ich bin ganz durchdrungen von
dem, was ich fühle, nicht was ich versteh. - Glaub's, Musik wirkt, begeistert,
entzückt, nicht dadurch, dass wir sie
