, liebstes
Günderödchen, würde sehr weinen, wenn ich Dich sollt hier lassen müssen und in
eine andre Welt gehen, ich kann mir nicht denken, dass ich irgendwo ohne Dich zu
mir selber kommen möcht. Der musikalische Klang jener Worte äußert sich wie der
Pulsschlag Deiner Empfindung, das ist lebendige Liebe, die fühlst Du für mich.
Ich bin recht glücklich; ich glaub auch, dass nichts ohne Musik im Geist bestehen
kann, und dass nur der Geist sich frei empfindet, dem die Stimmung treu bleibt. -
Ich kann's auch noch nicht so deutlich sagen, ich meine, man kann kein Buch
lesen, keins verstehen oder seinen Geist aufnehmen, wenn die angeborene Melodie
es nicht trägt, ich glaub, das alles müsst gleich begreiflich oder fühlbar sein,
wenn es in seiner Melodie dahinfliesst. Ja, weil ich das so denke, so fällt mir
ein, ob nicht alles, solang es nicht melodisch ist, wohl auch noch nicht wahr
sein mag. Dein Schelling und Dein Fichte und Dein Kant sind mir ganz unmögliche
Kerle. Was hab ich mir für Mühe geben, und ich bin eigentlich nur davongelaufen
hierher, weil ich eine Pause machen wollt. Repulsion, Attraktion, höchste
Potenz. - -
    Weißt Du, wie mir's wird? - Dreherig - Schwindel krieg ich in den Kopf, und
dann, weißt Du noch? - Ich schäm mich, - ja ich schäm mich, so mit Hacken und
Brecheisen in die Sprach hineinzufahren, um etwas da herauszubohren, und dass ein
Mensch, der gesund geboren ist, sich ordentliche Beulen an den Kopf denken muss
und allerlei physische Krankheiten dem Geist anbilden. - Glaubst Du, ein
Philosoph sei nicht fürchterlich hoffärtig? - Oder wenn er auch einen Gedanken
hat, davon wär er klug? - O nein, so ein Gedanke fällt ihm wie ein Hobelspan von
der Drechselbank, davon ist so ein weiser Meister nicht klug. Die Weisheit muss
natürlich sein, was braucht sie doch solcher widerlicher Werkzeuge, um in Gang
zu kommen, sie ist ja lebendig? - Sie wird sich das nicht gefallen lassen. - Der
Mann des Geistes muss die Natur lieben über alles, mit wahrer Lieb, dann blüht
er, - dann pflanzt die Natur Geist in ihn. Aber ein Philosoph scheint mir so
einer nicht, der ihr am Busen liegt und ihr vertraut und mit allen Kräften ihr
geweiht ist. - Mir deucht vielmehr, er geht auf Raub, was er ihr abluchsen kann,
das vermanscht er in seine geheime Fabrik, und da hat er seine Not, dass sie
nicht stockt, hier ein Rad, dort ein Gewicht, eine Maschine greift in die
andere, und da zeigt er den
