 nicht der Voigt, dem ich's nachspreche, aber er gibt mir
Zeugnis für meine eigne Empfindung. Menschen, die gesund atmen, die können nicht
sich so beengen, stell Dir einen Philosophen vor, der ganz allein auf einer
Insel wohnte, wo's so schön wär, wie der Frühling nur sein kann, dass alles frei
und lebendig blühte und die Vögel sängen dann, und alles, was die Natur geboren
hätt, wär vollkommen schön, aber es wären keine Geschöpfe da, denen der
Philosoph was weismachen könnt, glaubst Du, dass er da auf solche Sprünge käm,
wie die sind, die ich bei Dir nicht erzwingen konnt? - Hör, ich glaub, er biss'
lieber in einen schönen Apfel, aber so eine hölzerne Kuriosität von
Gedanken-Sparrwerk würde er wohl nicht zu eigener Erbauung aus den hohen Zedern
des Libanon zurecht zimmern; so verbindet und versetzt und verändert und
überlegt und vereinigt der Philosoph also nur sein Denkwerk, nicht um sich
selbst zu verstehen, da würde er nicht solchen Aufwand machen, sondern um den
andern von oben herab den ersten Gedanken beizubringen, wie hoch er geklettert
sei, und er will auch nicht die Weisheit seinen untenstehenden Gefährten
mitteilen, er will nur das Hokuspokus seiner Maschine Superlativa vortragen, das
Dreieck, das alle Parallelkreise verbindet, die gleichschenkligen und
verschobenen Winkel, wie die ineinander greifen und seinen Geist nun auf jener
Höhe schwebend tragen, das will er, es ist aber nur der müßige Mensch, der noch
sich selber unempfundne, der davon gefangen wird; ein andrer lügt, wenn er die
Natur verleugnet und diesem Sparrwerk anhängt und auch hinaufklettert, es ist
Eitelkeit, und oben wird's Hoffart, und der haucht Schwefeldampf auf den Geist
herab, da kriegen die Menschen in dem blauen Dunst eine Eingebildeteit, als
nähmen sie den hohen Beweggrund des Seins wahr; ich bin aber um dies Wissen gar
nicht bang, dass es mir entgehen könnt, denn in der Natur ist nichts, aus dem der
Funke der Unsterblichkeit nicht in Dich hineinfährt, sobald Du's berührst;
erfüll Deine Seele mit dem, was Deine Augen schöpfen auf jener segensreichen
Insel, so wird alle Weisheit Dich elektrisch durchströmen, ja ich glaub, wenn
man nur unter dem blühenden Baum der Großmut seine Stätte nimmt, der alle
Tugenden in seinem Wipfel trägt, so ist die Weisheit Gottes näher als auf der
höchsten Turmspitze, die man sich selbst aufgerichtet hat. Alle Früchte fallen
zur Erde, dass wir sie genießen, sie haben seine Flügel, dass sie davonfliegen,
und die Blüten schwenken ihren Duft herab zu uns. Der Mensch kann nicht über den
Apfel hinaus, der für ihn am Baum wächst, steigt er hinauf
