 hielt es für unmöglich, als noch kein Sehnen mich dahin zog,
gestern hätte ich noch jede Frage danach für töricht gehalten, heute wünsche ich
schon, die Verbindung mit der Geisterwelt wäre möglich, ja mir deucht, ich wäre
geneigt, sie glaublich zu finden.
LEHRER. Mir deucht, die Manen des großen Gustav Adolf haben deinem innern Auge
zum Lichte verholfen. So vernehme mich denn. So gewiss alles Harmonische in
Verbindung steht, es mag sichtbar oder unsichtbar sein, so gewiss sind auch wir
in Verbindung mit dem Teil der Geisterwelt, der mit uns harmoniert. Ähnliche
Gedanken verschiedener Menschen, auch wenn sie nie voneinander wussten, ist in
geistigem Sinn schon Verbindung, der Tod eines Menschen, der in solcher
Berührung mit mir steht, hebt sie nicht auf; der Tod ist ein chemischer Prozess,
eine Scheidung der Kräfte, aber kein Vernichter, er zerreißt das Band zwischen
mir und ähnlichen Seelen nicht, aber das Fortschreiten des einen und das
Zurückbleiben des andern kann wohl diese Gemeinschaft aufheben, wie einer, der
in allem Trefflichen fortgeschritten ist, mit dem unwissend gebliebnen
Jugendfreund nicht mehr zusammenstimmen wird. Du wirst dies leicht ganz
allgemein und ganz aufs besondere anwenden können.
SCHÜLER. Vollkommen! - Du sagst, Harmonie der Kräfte ist Verbindung, der Tod
hebt diese Verbindung nicht auf, da er nur scheidet und nicht vernichtet.
LEHRER. Ich fügte hinzu, das Aufheben dessen, was diese Harmonie bedingt, müsste
auch notwendig diese Verbindung aufheben - eine Verbindung mit Verstorbenen kann
also stattaben, insofern sie nicht aufgehört haben, mit uns zu harmonieren.
SCHÜLER. Ich kann es fassen.
LEHRER. Es kommt nur darauf an, diese Verbindung gewahr zu werden. Bloß geistige
Kräfte können unsern äußern Sinnen nicht offenbar werden, sie wirken nicht durch
Aug und Ohr, sondern durch das Organ, durch das allein eine Verbindung mit ihnen
möglich ist; durch den innern Sinn, auf ihn wirken sie unmittelbar. Dieser
innere Sinn, das tiefste und feinste Seelenorgan, ist bei fast allen Menschen
unentwickelt und nur dem Keim nach da. - Das Weltgeräusch, der Menschheit Handel
und Wandel, der nur oberflächlich und nur die Oberfläche berührt, lassen es zu
keiner Ausbildung, zu keinem Bewusstsein kommen, so wird es nicht erkannt, und
was sich zu allen Zeiten in ihm offenbarte, hat viele Zweifler und Schmäher
gefunden, und bis jetzt ist sein Empfangen und Wirken nur in seltenen Menschen
die individuellste Seltenheit. - Ich will nicht ungeistigen Gesichten und
Geistererscheinungen das Wort reden, aber ich fühle deutlich, dass der innere
Sinn so hoch angeregt werden kann, dass die innere Erscheinung vor das
körperliche Auge treten kann, wie auch umgekehrt die äußere Erscheinung vor das
geistige Auge tritt; so
