 heute erst gefallen. Dahin! Verloren! Vergangen! sagte ich mir, sind dies des
großen Lebens Früchte alle? - Ach! - Ich musste die Gruft verlassen, ich suchte
Zerstreuung, ich suchte andre Schmerzen, aber der unterirdische trübe Geist
verfolgt mich, ich kann die Wehmut nicht loswerden, die wie ein Trauerflor über
meine Gegenwart sich legt, dies Zeitalter ist mir nichtig und leer, sehnlich und
gewaltig zieht mich's in die Vergangenheit dahin! Vergangen, so ruft mein Geist.
O möcht ich mit vergangen sein und diese schlechte Zeit nie gesehen haben, in
der die Vorwelt vergeht, an der ihre Größe verloren ist. -
LEHRER. Verloren ist nichts, junger Schüler, und in keiner Weise, nur das Auge
vermag nicht des Grundes unendliche Folgenkette zu übersehen. Aber willst du
auch dies nicht bedenken, du kannst doch nicht verloren nennen und dahin, was so
mächtig auf dich wirkt; - dein eigen Geschick, die Gegenwart bewegen dich so
heftig nicht wie das Andenken des großen Königs, lebt er da nicht jetzt noch
mächtiger in dir als die Gegenwart, oder nennst du nur Leben, was im Fleisch und
im Sichtbaren fortlebt, und ist dir dahin und verloren, was noch in Gedanken
wirkt und da ist? -
SCHÜLER. Wenn es Leben ist, so ist es doch nicht mehr als Schattenleben, dann
ist die Erinnerung des Gewesenen mehr als die bleiche Schattenwirklichkeit.
LEHRER. Gegenwart ist ein flüchtiger Augenblick, sie vergeht, indem du sie
erlebst, des Lebens Bewusstsein liegt in der Erinnerung, in diesem Sinn nur
kannst du Vergangnes betrachten, gleichviel ob es längst oder eben nur vorging.
SCHÜLER. Du sprichst wahr! - So lebt denn ein großer Mensch nicht nach seiner
Weise in mir fort, sondern nach der meinen. Wie ich ihn aufnehme, wie und ob ich
mich seiner erinnern mag? -
LEHRER. Freilich lebt das nur fort in dir, was dein Sinn befähigt ist
aufzunehmen, insofern es Gleichartiges mit dir hat, das Fremdartige in dir tritt
nicht mit ihm in Verbindung, darauf kann er nicht wirken, und mit dieser
Einschränkung nur wirken alle Dinge. Wofür du keinen Sinn hast, das geht dir
verloren wie die Farbenwelt dem Blinden.
SCHÜLER. So muss ich glauben, nichts gehe verloren, da alle Ursachen in ihren
Folgen fortleben, dass sie aber nur wirken auf das, was Empfänglichkeit oder Sinn
für sie hat. - Der Welt mag genügen an diesem Nichtverlorensein, an dieser Art
fortzuleben, mir ist es nicht genug, ich möchte zurück in der Vergangenheit
Schoss, ich sehne mich nach unmittelbarer Verbindung mit den Manen der großen
Vorzeit.
LEHRER. Hältst du es denn für möglich? -
SCHÜLER. Ich
