 wir nicht zueinander gesagt, lass uns schweben und nicht an diesem
oder jenem festhalten? - Und war's nicht das erste, worauf wir unser Sein
begründeten, dass wir alles wollten wagen zu denken? - Und ist der nicht
unsinnig, der das Denken wollt vor die Türe stoßen, weist der nicht göttliche
Botschaft ab, - und warum ist denn nur Geist, was frei schwebt, und was sich
anlehnt, ist nicht Geist? - O ja! das begeistert mich, so zu denken, und der
Nebel umflort Dich nicht mehr, und es ist hell, wie ich Dich denk - und wenn
auch. - Wir können wohl über die Nebel hinaussteigen, - Deine Fittiche wolle Dir
nicht brechen lassen, ich sag Dir gut, dass ich die Erde und ihren Frevel am
Geist in Banden halten werd. - Was ist? - Was kannst Du gewinnen, was Du nicht
wagst? - Und was Du verlieren kannst, lohnt es der Mühe es zu bewahren, Du
verlierst nur, was Du nicht wagst. -
    Ein Held sein und sich vor nichts fürchten, da kommt der Geist geströmt und
macht Dich zum Weltmeer. - Die Wahrheit erfüllt Dich, der Mut umarmt die
allumarmende Weisheit. - Die Wahrheit sagt zum Mut, brich deine Fesseln, - und
dann fallen sie ab von ihm. - Der Schein ist Furcht, die Wahrheit fürchtet
nicht, wer sich fürchtet, der ist nicht wirklich, der scheint nur. - Furcht ist
Vergehen, Erlöschen des wahrhaften Seins. - Sein ist der kühnste Mut zu denken.
Denken ist gottbewegende Schwinge. - Wie sollte das göttliche Denken sich an die
Sklavenfessel legen? - Ist das, was Ihr für wahr ausgebt, Wahrheit, so schwing
ich mich im Denken zu ihr auf. -
    Wenn ich mich aufschwinge, so ist's in die Wahrheit, lieg ich an der Fessel,
so bin ich nicht an die Wahrheit gekettet. Freisein macht allein, dass alles
Wahrheit sei, von was ich mich fesseln lasse, das wird zum Aberglauben. Nur was
geistentsprungen mir einleuchtet, das ist Wahrheit, - was aber den Geist
fesselt, das wird Aberglaube. Geist und Wahrheit leben ineinander und erzeugen
ewig neu. -
    So hab ich mich freigemacht von meiner Furcht, weil Furcht Lüge ist. - Und
Mut muss die Lüge überwinden. Und ich bin wieder eins mit Dir.
    Ach, wieviel Strahlen brechen sich doch heut in meiner Seele!
    Adieu und der Lulu hab ich versprochen, dass ich mit nach Kassel geh, sie
schreibt: nur auf drei Wochen. -
 
                                An die Günderode
Ich bin heut auf mancherlei Weise beglückt, erstlich hab ich heut wirklich einen
Rosenstock in meinem Zimmer stehen,
