 leicht vereitelt, drum muss man keine machen. Das beste
ist, sich zu allem bereit finden, was sich einem als das Würdigste zu tun
darbietet, und das einzige, was uns zu tun obliegt, ist, die heiligen
Grundsätze, die ganz von selbst im Boden unserer Überzeugung emporkeimen, nie zu
verletzen, sie immer durch unsre Handlungen und den Glauben an sie mehr zu
entwickeln, so dass wir am End gar nicht mehr anders können, als das ursprünglich
Göttliche in uns bekennen. Es gibt gar viele Menschen, die große Weihgeschenke
der Götter mitbekommen haben und keines derselben anzuwenden vermögen, denen es
genügt, über dem Boden der Gemeinheit sich erhaben zu glauben, bloß weil der
Buchstabe eines höheren Gesetzes in sie geprägt ist, aber der Geist ist nicht in
ihnen aufgegangen, und sie wissen nicht, wie weit sie entfernt sind, jenen
Seelenadel in sich verwirklicht zu haben, auf den sie sich so mächtig zugut tun.
- Dieses scheint mir also die vornehmste Schule des Lebens, darauf zu achten,
dass nichts in uns jene Grundsätze, durch die unser Inneres geweiht ist,
verleugne, weder im Geist noch im Wesen. Jene Schule entlässt den edlen Menschen
nicht bis zum letzten Hauch seines Lebens. Dein Ephraim wird mir recht geben und
ist ein Beweis dafür. Ich glaub auch, dass es die höchste Schicksalsauszeichnung
ist, zu immer höheren Prüfungen angeregt zu sein. - Und man müsste wohl das
Schicksal eines edlen Menschen aus seinen Anlagen weissagen können. - Du hast
Energie und Mut zur Wahrhaftigkeit, und zugleich bist Du die heiterste Natur,
die kaum das Unrecht spürt, was an ihr verübt wird. Dir ist's ein leichtes, zu
dulden, was andre nicht ertragen können, und doch bist Du nicht mitleidsvoll, es
ist Energie, was Dich bewegt, andern zu helfen. - Sollt ich Deinen Charakter
zusammenfassen, so würd ich Dir prophezeien, wenn Du ein Knabe wärst, Du werdest
ein Held werden; da Du aber ein Mädchen bist, so lege ich Dir all diese Anlagen
für eine künftige Lebensstufe aus, ich nehme es als Vorbereitung zu einem
künftigen energischen Charakter an, der vielleicht in eine lebendige regsame
Zeit geboren wird. - Auch wie das Meer Ebbe und Flut hat, so scheinen mir die
Zeiten zu haben. Wir sind in der Zeit der Ebbe jetzt, wo es gleichgültig ist,
wer sich geltend mache, weil es ja doch nicht an der Zeit ist, dass das Meer des
Geistes aufwalle, das Menschengeschlecht senkt den Atem, und was auch
Bedeutendes in der Geschichte vorfalle, es ist nur Vorbereiten, Gefühl wecken,
Kräfte üben und sammeln, eine höhere Potenz des Geistes zu erfassen. Geist
steigert die Welt, durch
