 auf ihre Reinheit
bauen, die das Böse nicht gewahr wird, oder auf ihre Großmut, sie verzeihen viel
und rechnen es einem nicht an. Deswegen sind sie aber nicht witzlos und
untüchtig für den höchsten Begriff. Aber die Menschen sind über sich selber so
dumm, sie glauben in ihrem schmäligen Unrecht noch an ihre eigne Weisheit wie an
einen Ölgötzen, dem sie Opfer bringen aller Art, nur die eigne Bosheit erwischen
sie nicht bei den Ohren, um sie einmal zu schlachten. Der knospenvolle
Lebenstrieb wird nichts geachtet, der soll nicht aufgehen, aus dem die Natur
hervor ans Licht sich drängen will; da wird ein Netz gestrickt, wo jede Masche
ein Vorurteil ist, - keinen Gedanken aus freier Luft greifen und dem vertrauen,
- alles aus Philistertum beweisen und erfordern, das ist die Lebensstrasse, die
ihnen gepflastert wird, und wo statt der lebendigen Natur lauter verkehrte
Grundsätze und Gewohnheiten es umstricken. Der Voigt sagte, ihm sei das Lachen
und Weinen nah gewesen beim Examen in der Musterschule, wo der Molitor mit so
großem Eifer die Judenkinder examiniert habe über die Grosstaten der Römer und
Griechen, wenn er dächte, welchen schmutzigen Lebenspfad sie wandern müssten,
»Zieh, Schimmel zieh, im Kot bis an die Knie«, ja, da mag einer noch so ein
weißer Schimmel sein, er muss im Morast steckenbleiben; und das ganze Lehrgebäude
ist bloß wie Fabelwerk, alles lehrt man durch Exempel, aber große Taten, die
zeigt man nur wie die Chimära aus dem Bilderbuch, da dreht jedermann um und lässt
sie stehen ohne weitere Gebrauchsanweisung. Diese Bemerkungen sind alle aus
Gesprächen mit dem Voigt, der mir gern seine Weisheit bringt aus dem Grund, weil
ihn kein Mensch sonst anhört, er sagte: »Ich bin jedermann langweilig, aber ich
kann Ihnen versichern, die Leute sagen, Sie wären auch langweilig«; er sagte:
»Aus einem Kind sollte lauter Weisheit hervorblühen, dass alles Denken freudige
Religion in ihm würde, ohne ihm das Kreuzschlagen zu lehren, oder Heiden und
Christen zu unterscheiden, und seine Seele müsste aufblühen am Lebensstamm, ohne
zu fragen nach Gutem und Bösem.« - Weißt Du was, - heut hat sich das zarte Kind
in der Tür den Finger sehr arg geklemmt, und die Kurprinzess war sehr erschrocken
und ganz hinfällig geworden, denn es hat ihm sehr arg weh getan, mich hat's auch
geängstigt, es hatte Fieber, jetzt liegt's im Bett und schläft, als es beruhigt
war, ging die Kurprinzess zur Erholung spazieren, sie nahm mich mit, ich lief von
ihrer Seite, um ihr Blumen zu holen, die ich in der Ferne sah, die nimmt sie mir
immer freundlich ab und
