, die meinen Geist doch nicht begreift, schäm ich mich
nicht, für sie nicht Jugend zu sein, die von den heiteren Frühlingstagen nichts
weiß, welche der Geist durchlebt. - Weißt Du, was schlecht ist im Alter? - Wenn
es ein Aufbau, ein Übereinandertürmen rumpliger Vorurteile geworden, durch das
die heilige Anlage der Jugend nicht mehr durchdringt, aber wo der Geist durch
alles gehäufte Elend des Philistertums, dieser ganz unwahren aber wirklichen
Wahnwelt, durchdringt zur Himmelsfreiheit, zum Äther und dort aufblüht, da ist
Alter nur das kräftigste Lebenszeichen der Ewigkeit. - Mir scheinen alle
Menschen um mich wie nichts oder doch eine geringe und unzuverlässige Gattung
von Naturen, eben weil der Geist nicht in ihnen liegt, die höchste Blüte im
Alter zu erreichen, - eine zernagte Blüte. - - Aber der Ephraim deucht mir eine
vollkommne Geistesblüte, die jetzt im Frühlingsregen steht; die Tage sind lau,
aber trüb - aber die Ahnung ist voll himmlischem Jugendreiz, die andern fühlen
und sehen ihn nicht, wo steht aber auch je ein Philister bei der knospenden Zeit
still, voll Schauer, voll Gebet zur erwachenden Blüte? -
    Was war's also mit Deinem Frühsterbenwollen? - Wem zu gefallen willst Du
das? - Dir selbst zulieb? - Also rechnest Du die scharlachne Kaiserbahn für
Deine Jugendblüte, bloß weil sie so glanzvoll schimmert, aber sieh doch, die
Welt achtet sie ja nicht, sie zerreißt sie in Fetzen, und Du stehst an ihrem
End, und ist nicht mehr eine Spur davon, und da willst Du Dich mit zerreißen?
Aber der Trieb zu blühen ist erst dann wahre Geisteseingebung, wenn jene
Scheinblüte Dich nicht mehr täuscht, wenn Du die Blüte ganz aus Dir selbst
erzeugst, dann will ich sagen: »Ja, Du bist der Geist des Frühlings« - aber
mutlos das Leben verwerfen ist nicht Jugendgeist -, ach ich fühle wohl, dass ich
hier weit mehr recht hab wie Du, und dass ich Dir Trotz bieten kann; aber ich
weiß auch, dass Du die tiefere Geisteswahrheit, die in meinem Vergleich liegt,
deutlicher wahrnimmst als ich, und dass Du gewiss Gewaltigeres ahnest, als ich
begreife. Es geht immer so zwischen unseren vertrauungsvollen Reden, dass ich
stottere, und dass Du mir dann reiner begreiflich machst, was ich wollte. - Mir
steht hier nur der Jude vor Augen, der über die sinkende Blüte der Eltern hinaus
die schweren Lebensbedingungen erfüllt, jeden mühevollen Weg zur Erhaltung der
Enkel macht, keinen Tag mehr als den seinen verlebt, nicht um sich selber sich
kümmert, in der Tagshitze zu den Seinen hinwandernd, sich mühsam beugt, um die
Brosamen zu sammeln auf dem Weg und sie den verwaisten Kindern zu bringen
