 trete auf im
Schmuck deiner Begeisterung, sonst würde es dich nicht erkennen.«
    »Dass dich der Geliebte berühre im Geist, kann nur aus Begeisterung geschehen,
so kann auch nur Begeisterung zu ihm reden.« -
    Als ich den Ephraim begleitet hatte, ging ich gleich auf den Turm, obschon
das nicht gilt, wenn die Sterne noch nicht am Himmel stehen; aber ich mochte
nicht wieder ins Haus, es war mir zu behaglich in freier Luft. Fühlst Du das
auch, das Glücklichsein, bloß weil Du atmest, - wenn Du im Freien gehst und
siehst den unermesslichen Äther über Dir - dass Du den trinkst, dass Du mit ihm
verwandt bist, so nah, dass alles Leben in Dich strömt von ihm? - Ach, was suchen
wir doch noch nach einem Gegenstand, den wir lieben wollen? - Gewiegt, gereizt,
genährt, begeistigt vom Leben - in seinem Schoss bald, bald auf seinen Flügeln;
ist das nicht Liebe? Ist das ganze Leben nicht Lieben? - Und Du suchst, was Du
lieben kannst? - So lieb doch das Leben wieder, was Dich durchdringt, was ewig
mächtig Dich an sich zieht, aus dem allein alle Seligkeit Dir zuströmt; warum
muss es doch grade dies oder jenes sein, an das Du Dich hingibst? - Nimm doch
alles Geliebte hin als eine Zärtlichkeit, eine Schmeichelei vom Leben selbst,
häng mit Begeisterung am Leben selbst, dessen Liebe Dich geistig macht; - denn
dass Du lebst, das ist die heiße Liebe des Lebens zu Dir; es allein hegt in sich
den Zweck der Liebe, es vergeistigt das Lebende, das Geliebte. - Und alle
Kreatur lebt von der Liebe, vom Leben selbst.
    Ja, so ein Gedanke, Günderode! Einer könnt fragen, ob er nicht Einbildung
sei? - Aber mich kümmert's nicht, ob alle es nicht glauben, ich bin mir genug
und brauch keine Beglaubigung dazu. Tiefere Wahrheit erkennen ist ja das Leben
verstehen - so empfindet man ja, dass große Taten die schönsten Momente des
Lebens sind; also ein wirkliches heißes Umarmen mit dem Leben selbst. Solche
himmlische Momente, aus denen sich nachher die Gewissheit der Liebe ergibt. - Ja,
eine große Tat allein ist Feier der Liebe mit dem Leben, und sind die Menschen
nicht lebentrunken, wenn sie groß gehandelt haben, wie der Liebende trunken ist
vom Genuss, von der Gewissheit, geliebt zu sein? - Ist das nicht jene Seligkeit,
deren jeder andere bar ist, der nicht den Mut hat, der heiligen Inbrunst des
Lebens sich liebend hinzugeben, und an der großen Tat vorbeischleicht? - Ja, was
ist der innere Genuss solcher Beglückter, als trunken sein
