 still, was soll man so was sagen, er sieht's ja
und fühlt's auch gewiss innerlich als Wahrheit. Ich frag ihn alles, was mir in
den Kopf kommt, mir deucht gar nicht, dass es möglich sei, dass ihm sein Geist
nicht alles klar und deutlich mache - nur scheu ich mich, ihm zu sagen, wie sehr
ich ihm vertrau, gestern sprachen wir vom Napoleon, ich sagte: »Mit Euch wollt
ich Schlachten gewinnen! - Ich hab mir oft gedacht, wenn ich Feldherr wär und
von meiner Gegenwart des Geistes alles abhing, dass ich alles verantworten müsst,
ob ich da nicht zwischen Begeisterung und Furcht schwanken würde; aber wenn ich
Euch an der Seite hätt, dann wollt ich meiner Entschlossenheit gewiss sein.« -
»Warum? - Trauen Sie mir so viel Mut zu? - Hab ich ihn doch noch nie bewiesen,
und vielleicht noch nicht Gelegenheit gehabt, ihn zu proben, denn des Juden Weg
ist, sich zwischen Dorn und Disteln durchzuschleichen, mit denen der Christ ihm
die Straßen verhackt, und er muss sich scheuen, dass die Hunde wach werden, die in
die Dornen hinein ihn verfolgen, dass er nicht mehr vor- noch rückwärts weiß und
oft im Schweiß seiner Mühen zugrunde geht, und was noch trauriger ist, - seinen
Gott nicht mehr im eignen Herzen findet,« - und er faltete seine Hände und
verfärbte sich - er ist eine feinorganisierte Seele -, es bewegte mich, ich
sagte: »Ich hab nicht an Euren Mut dabei gedacht, aber mir deucht, in Euer
Antlitz zu sehen, das würde meine zerstreuten Gedanken sammeln und meine
Entschlossenheit festmachen wie einen Pfeiler, denn ich würde nie vor Euch
beschämt stehen wollen; und dann fühl ich, dass Ihr in der Gefahr wachsen würdet,
denn Ihr würdet gewaltig sein, wo es des Geistes bedürfte, weil böse
Leidenschaften in Euch abwesend sind und Euren Geist nicht hindern, gegenwärtig
zu sein, denn ich glaub, Gegenwart des Geistes hat man nur der Abwesenheit der
Leidenschaften zu danken, die einem ins Handwerk pfuschen. Aber Ihr seid
vollkommen ruhig und habt doch Euren Zweck im Auge und steht über den
Vorurteilen des Lebens und habt Jahre und seid so fest, so ernst, so gar nicht
ermüdet von den strengen Prüfungen, Ihr klagt nicht, Euch ist das Leben gerecht,
wie es Gott Euch gab; das ist Weisheit, mein ich.« - »Und doch ist der Ephraim
nur ein Handelsjude,« sagte er. - »Ja, aber Ihr habt Euer Leben zum Tempel
gemacht und seid Hoherpriester darin.« - Das Gespräch führte noch weiter und
endlich dahin - was ich mir für Dich aufschrieb:
