 und mit so viel historischen Belegen versehen, und
zu so manchen Vergleichen führt, dass wohl auf diese Weise ein groß Teil
Gottesphilosophie auch in den unstudierten Bauern übergeht. Ich grub viel
Wurzeln aus, die wusste das Kind alle zu nennen, und jedes verdorrte Hülschen,
das noch einen Samen bewahrte, kannte es, das gute Kind. - Da war ein kleiner
Storchschnabel im Winter ausgefroren, es holte ihn aus einer Felsritze hervor,
wo die Pflanze ganz unverletzt geblüht hatte und so verdorrt war; dies
Blumengerippe war so schön, wie die Blume gar nicht ist. In ihrer Einfachheit
kann die Pflanze nicht größeren Anspruch machen als andre Feld- und Waldblumen,
aber ihr feines Gerippe ist wie ein gotisch Kunstwerk. Der kleine Spieß, der aus
der Blumenkrone hervorwächst, teilt sich von unten in fünf Fingerchen, die sich
aufwärts schwingen und mit jedem in einem kleinen verschlossnen Becher ein
Samenkörnchen der Sonne entgegenhalten, das so fein und wunderschön geformt und
geschliffen ist wie ein Edelstein, wenn nun die Sonne drauf scheint, so tun
diese Samenkörnchen nach allen Seiten einen mutigen Sprung, so sind sie alle
fünf um die Mutterstaude versetzt, ein bisschen Erde, ein bisschen vermodert Moos
gibt ihnen Nahrung, dass sie im nächsten Jahr im Familienkreis aufblühen. - Nein!
Ich hab die Natur lieb, mag ich auch nur, wie ein trockner Storchschnabel, das
geringste aller Pflänzchen - später unter den Füßen des Wanderers zertreten
werden, so will ich ihr doch mich hinhalten, solang sie ihren kunstfühligen
Geist über mich strömen lässt; wollte sie doch meiner einfachen unscheinbaren
Blüte nach einen schönen Zepter aus mir bilden, der seine Kleinodien um sich
streut, neues Leben zu verbreiten, und dann in die leeren Schalen Himmelstau
sammelt; so denk ich mir, wird des Grossmütigen Zepter die Welt berühren.
    In allen Wandlungen der Natur deucht mich Salomonis Weisheit mit
Geistesbuchstaben eingezeichnet, die klein oder groß - die Seele mit Schauer
erfüllen, weil sie alle rufen: »Hebe wie der Vogel die Schwingen über den
Erdenstaub hinaus und fliege aufwärts, so hoch du vermagst. Der Vogel fliegt mit
seinem Leib, du aber kannst mit dem Geist fliegen, dein Leib hat keine Flügel,
weil du lernen sollst, mit dem Geist dich aufschwingen.« - Du weißt, wie oft wir
uns besannen, warum die Sehnsucht zu fliegen durch jeden Vogel rege werde.
Hätten wir Flügel wie die Vögel, so würde diese Sehnsucht nicht wach sein, die
jetzt uns bewegt, immer dran zu denken, und so unsern Geist befiedert, mit dem
wir einst fliegen werden; denn alles Denken ist doch das im Geist, was das
Wachsen und Treiben in der Natur ist. - Nun weißt Du auch, warum in meiner
