 es immer zurückgewiesen und hab
mich an das gehalten, was am wenigsten abschweift von dem, was in mir wirklich
Regung war; daher kam es auch, dass ich wagte, sie drucken zu lassen, sie hatten
jenen Wert für mich, jenen heiligen der geprägten Wahrheit, alle kleinen
Fragmente sind mir in diesem Sinn Gedicht. Du wirst wohl auch dies einfache
Phänomen in Dir erfahren haben, dass tragische Momente Dir durch die Seele gehen,
die sich ein Bild in der Geschichte auffangen, und dass sich in diesem Bild die
Umstände so ketten, dass Du ein tief Schmerzendes oder hoch Erhebendes mit
erlebst; Du kämpfst gegen das Unrecht an, Du siegst, Du wirst glücklich, es
neigt sich Dir alles, Du wirst mächtig große Kräfte entwickeln, es gelingt Dir,
Deinen Geist über alles auszudehnen; oder auch: ein hartes Geschick steht Dir
gegenüber, Du duldest, es wird bitterer, es greift in die geweihte Stätte Deines
Busens ein, in die Treue, in die Liebe; da führt Dich der Genius bei der Hand
hinaus aus dem Land, wo Deine höhere sittliche Würde gefährdet war, und Du
schwingst Dich auf seinen Ruf, unter seinem Schutz, wohin Du dem Leid zu
entrinnen hoffst, wohin ein innerer Geist des Opfers Dich fordert. - Solche
Erscheinung erlebt der Geist durch die Phantasie als Schicksal, er erprobt sich
in ihnen und gewiss ist es, dass er dadurch oft Erfahrungen eines Helden innerlich
macht, er fühlt sich von dem Erhabenen durchdrungen, dass er sinnlich vielleicht
zu schwach sein würde, zu bestehen, aber die Phantasie ist doch die Stätte, in
der der Keim dazu gelegt und Wurzel fasst, und wer weiß, wie oder wann, als
mächtige und reine Kraft in ihm aufblüht. - Wie sollte sonst der Held in uns
zustande kommen? - Umsonst ist keine solche Werkstätte im Geist, und wie auch
eine Kraft sich nach außen betätigt, gewiss nach innen ist ihr Beruf der
wesentlichste. - So fühl ich denn eine Art Beruhigung bei dem Unscheinbaren und
Geringfügigen meiner Gedichte, weil es die Fusstapfen sind meines Geistes, die
ich nicht verleugne, und wenn man mir auch einwerfen könnte, ich hätte warten
dürfen, bis reifere und schmackhaftere Früchte gesammelt waren, so ist es doch
mein Gewissen, was mich hierzu bewog, nämlich nichts zu leugnen, denn wenn je
eine reine selbstgefühlige Gestalt hieraus sich entwickelt, so gehört auch dies
hinzu, und was ich bis jetzt auf diese Weise in mir erlebte, ist ja, was mich
bis hierher führte, zu diesem Standpunkt meines festen Willens. -
    Ich habe Dir jetzt genug gesagt, ich hab es aus Liebe zu Dir getan, so wie
Du so manches aus Liebe zu mir gesagt
