 was Du bei Gelegenheit der Langeweile gemacht, beweist
mir, dass wir beide recht haben, für jeden andern wollt ich es als Gedicht
rechnen, aber für Dich nicht, denn Du sprichst darin eine äußere Situation aus,
nicht die innere, und ein Gedicht ist doch wohl nur dann lebendig wirkend, wenn
es das Innerste in lebendiger Gestalt hervortreten macht, je reiner, je
entschiedner dies innere Leben sich ausspricht, je tiefer ist der Eindruck, die
Gewalt des Gedichts. Auf die Gewalt kommt alles an, sie wirft alle Kritik zu
Boden und tut das ihre. Was liegt dann dran, ob es so gebaut sei, wie es die
angenommne Kunstverfassung nicht verletze? - Gewalt schafft höhere Gesetze, die
keiner vielleicht früher ahnte oder auszusprechen vermochte; höhere Gesetze
stoßen allemal die alten um, und - wir sind doch noch nicht am End! - Wenn doch
der Spielplatz, wo sich die Kräfte jetzt nach hergebrachten Grundsätzen üben,
freigegeben wäre, um der Natur leichter zu machen, ihre Gesetze zu wandlen! Ich
will nicht, dass Du auf meine Produkte in der Poesie anwendest, was ich hier
sage; ich habe mich auch zusammengenommen und gehorchen lernen; und es war gut,
denn es sammelte meinen Stoff in meinem Geist, der mir vielleicht als Inhalt
nicht genügt haben würde, wenn mir die Form, die ich der Anmut zu verweben
strebte, nicht den Wert dazu geliehen hätte; ich glaube, dass nichts wesentlicher
in der Poesie sei, als dass ihr Keim aus dem Inneren entspringe; ein Funke aus
der Natur des Geistes sich erzeugend ist Begeisterung, sei es aus welchem tiefen
Grund der Gefühle es wolle, sei er auch noch so gering scheinend. Das Wichtige
an der Poesie ist, was an der Rede es auch ist, nämlich die wahrhaftige
unmittelbare Empfindung, die wirklich in der Seele vorgeht; sollte die Seele
einfach klar empfinden und man wollte ihre Empfindung steigern, so würde dadurch
ihre geistige Wirkung verloren gehen. -
    Der größte Meister in der Poesie ist gewiss der, der die einfachsten äußeren
Formen bedarf, um das innerlich Empfangne zu gebären, ja dem die Formen sich
zugleich mit erzeugen im Gefühl innerer Übereinstimmung.
    Wie gesagt, wende nichts auf mich an von dem, was ich hier sage, Du könntest
sonst in einen Irrtum verfallen. Ob zwar ich grad durch mein Inneres dies so
habe verstehen lernen. Ich musste selbst oft die Kargheit der Bilder, in die ich
meine poetischen Stimmungen auffasste, anerkennen, ich dachte mir manchmal, dass
ja dicht nebenan üppigere Formen, schönere Gewande bereit liegen, auch dass ich
leicht einen bedeutenderen Stoff zur Hand habe, nur war er nicht als erste
Stimmung in der Seele entstanden, und so hab ich
