
tieferen Erkennens und Eingehens auf die Übung dieser Kunst, so dass wie
äußerlich vielleicht die hohen Kunstwerke der Griechen als vollkommne göttliche
Eingebung galten und auf die Menge als solche zurückstrahlten und von den
Meistern auch in diesem Sinn mit dieser Konzentration aller geistigen Kräfte
gebildet wurden, so sammelt sich meine Tätigkeit in meiner Seele; sie fühlt
ihren Ursprung, ihr Ideal, sie will sich selbst nicht verlassen, sie will sich
da hinüberbilden. Du aber bist das Kind, geboren im Land, wo Milch und Honig
fleusst, die Sorge ist da überflüssig, die Trauben hängen Dir in den Mund, alles
ist Gedeihen und Klima Deiner Wiege, alles trägt Dich und nährt und schützt
Dich, solang Du das Klima nicht wechselst, und ob das, was Du dadurch erbeutest,
der Welt geniessbar sei, darauf kommt es hier fürs erste gar nicht an, wenn Du
nur durch eigne Sünde nicht im Werden gestört wirst, denn das ist die einzige
Sünde. - Schweig über Dich und gelte ihnen, für was sie wollen, versprich mir
das heilig, denn sonst würden sie Dich aus Deinem ursprünglichen Land
verpflanzen, sie würden Dich aus Deiner Kindheit herausheben und etwas aus Dir
machen wollen. - Und wie klagevoll wär's, wenn Du selbst Deinem inneren Leben,
Deiner eignen Religion, die so sanft, so glücklich Dir dient, Dich aus eigener
Schuld entfremdetest, o nein, ich will's nicht hoffen, bleib immerdar mit Deinen
Geistern im Bund, die Dir Speise bringen, und verwerfe sie nicht um fremde Kost.
Ich hab mir schon oft Vorwürfe machen lassen um Dich, wie hätte ich mich wehren
können? Es wär Verrat an Dir gewesen, nein, ich ließ Dich unberührt von ihren
Augen. Was bist Du auch? - Nichts als nur wie die Natur sich tausendfältig
ausspricht - wie jene Schmetterlingshülle, die Du diesen Sommer aus dem
Schlangenbad mitbrachtest, die äußerlich so fest war, dass nichts Fremdes sie
verletzen konnte, und beim geringsten Berühren des Schmetterlings sich auftat,
ihn zu entlassen, und dann sich wieder schloss. Wenn die Natur sich so eigen dazu
verwendet, jede Störung ihrer Bildungen zu verhüten, sogar die leere Kammer,
woraus sie ihr geflügeltes Geschöpf entlässt, sorgsam wieder schließt, wie sehr
muss da der Instinkt in dies lebende Wesen eingeprägt sein, dass es sich keiner
fremden Gewalt hingebe. - Du verstehst die Natur ja mannigfach, so wirst Du mich
auch hier begreifen, nicht besser, nicht mehr kommst Du mir vor als alles, was
in der Natur lebt, denn alles Leben hat gleiche Ansprüche ans Göttliche; aber
sorge nur, dass Du Dein eigenes Naturleben nicht verletzest, und dass es sich ohne
Störung entwickle.
    Dein klein Gedicht,
