 wird und muss wieder so
mit ihm werden, und Du musst ihm jetzt recht anhänglich schreiben, Dein freieres
Bewegen, wo Du sonst so von ihm abzuhängen schienst, wird ihm wohl auch
ungewohnt und empfindlich sein; Du kannst es nicht ändern, aber ersetze es ihm,
Du schriebst ja immer nur kurze Briefe an ihn, aber schreib doch öfter. - Sein
Beifall an meinen Gedichten erfreut mich, und mehr wird es keiner. Er schreibt,
Savigny habe die Nachricht aus Paris, dass eine Übersetzung dort vom Tian gemacht
sei, ihm mitgeteilt, frag ihn doch und schreib mir etwas Näheres darüber.
    Dem Molitor hab ich Deine Ansichten über die Erziehungen lesen lassen, es
freute ihn und verspricht Dich nicht mehr zu stören, das ist mir lieb, denn wenn
auch Deine Argumente, womit Du das Philistertum bestürmst, keinen Bodensatz
haben und unleugbar aus der Luft gegriffen sind, so ist mir doch lieber zu
lesen, wie Du unmittelbar mit den Elementen verkehrst, als wenn Du Deinen Sinn
im Widerspruch auf irgendein gegebenes Bestehendes anwendest. Deine Wahrheiten
streifen wohl den inneren Sinn der Menschen; sie möchten Dir recht geben, aber
was ist's damit? - Bis einmal das Morgenlicht der Poesie in jeder Brust den
Geist weckt, da wird wohl manches verstanden und doch muss es wieder versinken;
drum ist es mir lieber, Du selbst erschaffst Dich, bist Dir Lehrer und Schüler
zugleich, weil es da was fruchtet und Deine Lehren einen so gründlichen tiefen
Eingang in Dich haben. - Hast Du Dich doch gegen die Philosophie gesperrt, und
Deine Natur spricht sie doch so ganz persönlich aus, als Geist und Seele und
Leib. Ich will damit Dich nicht auf Dich selbst zurückführen, es ist eine
Bemerkung, die ich im Spiegel mache, und Du kannst ja gleich davonfliegen und
den Spiegel leer lassen, auch gibt meine Bemerkung Dir recht; denn wenn Deine
organische Natur ganz Philosophie ist, so wird sie sich nicht in der Anschauung
erst erwerben sollen. - Sie wird einen Jugendleib haben, der mit einem anderen
Frühling zusammentrifft, und ein anderes Verständnis haben mit dem Geistigen der
Welt. - Um so mehr deucht es mir Missgriff, wenn Du mit dem Wirklichen Dich
begegnest und ihm Deinen Geist anmessen magst. Ich suche in der Poesie wie in
einem Spiegel mich zu sammeln, mich selber zu schauen und durch mich
durchzugehen in eine höhere Welt, und dazu sind meine Poesien die Versuche. Mir
scheinen die großen Erscheinungen der Menschheit alle denselben Zweck zu haben,
mit diesen möcht ich mich berühren, in Gemeinschaft mit ihnen treten und in
ihrer Mitte unter ihrem Einfluss dieselbe Bahn wandeln, stets vorwärts schreiten
mit dem Gefühl der Selbsterhebung, mit dem Zweck der Vereinfachung und des
