 umher. - Ruhe und Freiheit winkten alle Sterne! - So einsam,
so sicher! - So muss einem sein, der das Leben abgeschüttelt hat, - unterwegs
schreckten mich ein Kohlstrunk und ein krummer Ast, ich wußt, dass es nichts war,
und fürchtete mich doch. So weiß der innerliche Mensch, dass alle Furcht nichtig
ist, er muss das Reich der Einbildung durchkämpfen zur Wahrheit, die kann nicht
fürchterlich sein, weil sie lebendig ist und frei und auch nur das Lebendige und
Freie berührt, nicht den gebundnen Geist, der alles fürchtet, weil er es nicht
fasst. Erkenntnis hebt jede Gegenmacht auf. Ich will Dir sagen, wie es ist beim
Sterben, ich hab's auf der alten Warte gelernt. - Unten mit schwebender Angst
hinauf geklettert, - die innerliche Wahrheitsstimme half mir die Einbildung, die
so frech selbst mit Erscheinungen mich bedrängte, bezwingen, ein paarmal zagte
ich zwischen Erd und Himmel auf der morschen Leiter, aber die Luft hauchte schon
herab, so erhob ich mich plötzlich, und von allen Seiten atmete mich Freiheit
an, so grad ist's beim Sterben; je weniger das Leben Licht erstritten hat, Geist
geworden ist, je mehr scheut es den Geist, je mehr drängt sich am Lebensende die
Einbildung ihm auf und beschränkt den Lichtkreis des Lebendigen, der Wahrheit.
Der Mensch ist Sklave der Einbildung, die ihm sein Inneres leugnet, aber die
göttliche Wahrheit haucht schon in den dunklen baufälligen Turm zu ihm nieder,
dass er die morschgewordne Leiter, die zur Freiheit führt, mit doppelter Kühnheit
erschwingt, und unmöglich kann diese im finsteren Turm mit dem Aufschwung ins
Freie fortdauern, denn sie war Einbildung. - Man könnt vielleicht das, was ich
vom Sterben sag, gering achten, weil's so einfältig ist und so fabelmässig und
vielleicht schon oft gesagt, ja es war mir selbst nichts Neues, aber doch ist's
was anders, weil ich's erlebt hab und nicht bloß mit den äußeren Sinnen erfasst,
der freie Sternenhimmel hat mich's gelehrt, und ich war so vergnügt da bei der
Sterbelektion, und ich werd noch mehr lernen da oben.
                                                                     Am Dienstag
Heut hab ich Dir was Lustiges zu erzählen, es war Studentenkomödie, und wir
waren drin, unter dem Schutz von einer großen Begleitung; das Stück war eine
Selbsterfindung der Studenten, worin drei Duelle vorkamen von Schuss, Stich und
Hieb; wie der Schuss vorkam, war der Meline schon nicht wohl zumut, wie der Stich
vorkam, ward uns grün und blau vor den Augen, wie aber der Hieb kam, gab's ein
Lärm und Gepolter, und man sprang übers Orchester hinüber, über die Öllampen weg
hinauf
