, wenn ich nach Frankfurt zurückkomm,
der Primas liest's auch. Für den Primas will ich Dir einen Auftrag geben, richt
ihn ja pünktlich aus, ich hab an die Grossmama geschrieben, dass sie an Dich die
Drusen-Weihe zurückschicke, packe beiliegenden Brief an den Primas dazu und
schicke es an den Weihbischof ins Taxische Haus, mache eine doppelte Adresse die
oberste an den Weihbischof, der wird's ihm zurückgeben oder nachschicken, wenn
er in Aschaffenburg ist, verschieb's nicht.
                                                                         Bettine
Ich hab unwillkürlich meinem Brief da mit Aufträgen ein End gemacht und wollte
Dir noch so viel anders sagen über Moose und über Pflanzen, die ich im Wald
gefunden hab, reine architektonische Figuren. Sind Worte nicht einzelne
architektonische Teile? Sind sie nicht symmetrisch zu ordnen im Gedanken? - Ein
Wort ist immer schön an sich, aber Gedanken sind nicht schön, wenn die schönen
Worte nicht in einer heiligen Ordnung ihn aussprechen; es gibt aber eine gewisse
romantische Unordnung oder vielmehr Zufallsordnung, die so was Lockendes, ja
ganz Hinreissendes hat in der Natur; die einem so mit Lust und Lieb durchdringt,
dass sie allen Luxus und alle Erhabenheit weit überwiegt in ihrer Verwandtschaft
mit der Seele; so hab ich mir immer gedacht, wenn in Feenmärchen über Nacht ein
prächtiger goldner Palast entstand gegenüber der Hütte von zwei Bettelkindern,
wie traurig es sei, dass die nun die Mooshütte verlassen müssten, um in den
stolzen Palast zu ziehen, und dann war mir bang, er könne die Gegend verstecken,
und nichts deucht mir schöner, als wenn die Natur ihre Launen zärtlich
durchflechten kann, wo der Mensch etwas einrichtet; sollte das nicht im Gefühl,
im Gedanken auch sein? - Sollte Poesie nicht so vertraut mit der Natur sein wie
mit der Schwester und ihr auch einen Teil der Sorge überlassen dürfen? - So dass
sie manchmal ihre geheiligten Gesetze ganz aufgäb aus Liebe zur Natur und alle
sittlichen Fesseln sprengt und ihr sich in die Arme stürzt voll heißem Drang,
ungehindert nur an ihrer Brust zu atmen. Ich weiß wohl, dass die Form der schöne
untadelhafte Leib ist der Poesie, in welchen der Menschengeist sie erzeugt; aber
sollte es denn nicht auch eine unmittelbare Offenbarung der Poesie geben, die
vielleicht tiefer, schauerlicher ins Mark eindringt, ohne feste Grenzen der
Form? - Die da schneller und natürlicher in den Geist eingreift, vielleicht auch
bewusstloser aber schaffend, erzeugend, wieder eine Geistesnatur? - Gibt's nicht
einen Moment in der Poesie, wo der Geist sich vergisst und dahin wallt wie der
Quell, dem der Fels sich auftut? Dass der nun hinströmt im Bett der Empfindung,
voll Jugendbrausen, voll Lichtdurchdrungenheit, voll Lustatmen und heißer Lieb
und beglückter Lieb
