 zum Verräter wird und dem Vertrauen den Hals bricht; und ich möcht
wissen, ob der ganze innere Mensch nicht deutlich und kräftig hervorgehen könnt
aus dem äußern, und ob »auf dem Seiltanzen« nicht eine höhere diplomatische
Kunstanlage entwickeln könnt wie all der Wust von Intrigengeist und
Korrespondenz voll Leerheit und Observanzen voll Kleinlichkeit - oder »mit Anmut
auf dem Eis Schlittschuh laufen«, ob das nicht lehren könnt, ohne
Selbstverletzung eigener Würde, zwischen allen Verkehrteiten mit leichter Grazie
sich durchwinden, und ob ein wildes Ross bändigen, mit Kälte und Ruhe, nicht auch
die Kraft in der Seele weckt, den eignen Zorn zu bändigen und mit Gelassenheit
das Gute aus dem Bösen entwickeln in andern und zur Selbstbeherrschung in der
Gefahr, oder auch eine rasche Flamme der Selbstbesonnenheit, mit der wir einen
Entschluss fassen und freudig begrüßen das Höhere, sei's auch aus unmündigem
Geist ersprosst, und nicht fort und fort die alte Schlangenhaut anbeten, die der
Götterjüngling, der Genius, der über den Zeiten schwebt, längst von sich
schleuderte. Ja - ob überhaupt dies freie Bewegen in der Natur, dies Üben aller
Kräfte in ihren Reizungen, so wie es die Glieder ausbildet und stärkt, nicht
auch die inneren Seelenkräfte stärkt, dass sie zu hoch, zu edel für diese
erbärmliche Weltschule, der Schere entwachsen, die nicht mehr hinanreicht, um
sie zurecht zu stutzen; dass sie das Kleinliche nicht mehr ertragen, sondern
überen Haufen stürzen. Ebenso wie ich in der einsamen Natur keinen frage, soll
oder soll ich nicht da hinüber springen, sondern mich auf den eignen Trieb
verlasse; sollte eine innere Kraft nicht auch für den Geist gutsagen? - Und
bedürfen oder suchen wir vielleicht nur deswegen Rat, weil wir furchtsam sind? -
Kommt's uns zu fabelhaft vor, dass der Geist, inmitten unserer, aufsteigen
könnte, der uns die Weisheit des Himmels kundtue? - Nun, was vermag uns denn,
lieber der unserem Instinkt fremden Macht des alten Vorurteils uns zu
unterwerfen, als jenes Instinktes jungem Keim nur so viel Luft und Licht zu
lassen, dass er aufblühen könne? - Der höhere Geist kann nur aus sich selbst sich
erzeugen; denn der mächtige Trieb der Entwicklung in uns ist grade nur, was uns
der Entwicklung bedürftig macht, und also ist jedes freie Geistesregen schon ein
Vorrücken des Keims, also: den innern Geist walten lassen und keinen fremden,
ist, was ihn erzeugt. - Und wär's nicht tausendmal besser, wir fehlen aus eigenem
Irren als auf fremden Rat? - Wenn einer in die Heimat will und läuft über die
Grenze, um nach dem Eingang zum eignen Haus zu fragen? - Wie ist das? - Werden
da nicht die heiligen
