 er darüber sich selbst zu speisen vergisst, dauert mich sehr, versäum's
nicht, ihm zu helfen, und schreib mir's, ob Du's auch nicht vergessen hast. Die
Geschichte von den Bäumen ist höchst betrübt; war's Deine Schilderung oder sind
auch mir diese Stimmen, die so friedlich mitrauschten, wenn wir dort wandelten,
so zu Herzen gegangen, ich kann mich auch nicht darüber trösten. Wir waren
gestern auf dem Ostein, da rauschen die Eichen königlich. - Die Grossmama und die
Geschichten vom Großvater haben mich gefreut und gerührt, wenn ich auch nicht so
viel Interesse an solchen erlebten Dingen hätte, als ich wirklich habe, so würde
mir eine solche Beschäftigung, als diese Erzählungen aus der Großmutter Mund zu
sammeln, für Dich sehr schön erscheinen und lieblich. - Alles, was das Gemüt
anregt, erfrischt und erfüllt, ist mir heilig, sollte auch im Gedächtnis kein
Monument davon zurückbleiben, hier aber, wo Du zugleich Dich üben würdest, etwas
in konsequenter Ordnung zu behandeln, Deinen eignen Geist in seinen Anschauungen
zu entwickeln, würde es noch mehr Wert haben. Ich hab immer Biographien mit
eigener Freude gelesen, es ist mir dabei stets vorgekommen, als könne man keinen
vollständigen Menschen erdichten, man erfindet immer nur eine Seite, die
Komplizierteit des menschlichen Daseins bleibt unerreicht und also unwahr, denn
alle Momente müssen immer den einen bestimmen oder begreiflich machen. - Dein
Verhältnis zur Grossmama würde auch schön sein, Dein Sammeln von Deiner Mutter
Kinderzügen ein Werk der Pietät, was Dir jetzt und vielleicht später noch ein
großes Interesse gewährt, besonders wenn es Dir gelänge, es mit dem Dir so
eigentümlichen Geist des unmittelbaren Mitfühlens niederzuschreiben, das alles
sehe ich recht gut ein - aber ich bin dennoch nicht entschieden, ob ich Dir dazu
raten soll; wenn ich überleg, welcher ungeheuren Zerstreutheit Du in Eurem Haus
ausgesetzt bist, der Du unmöglich entgehen kannst; alles Durchreisende, was zu
Euch kommt, der Primas, der Dich vorzieht, und wo Du gar nicht ausweichen kannst
hinzugehen - - was das alles die Zeit zersplittert, und wenn Du auch selbst
nicht viel Umstände mit Deiner Toilette machst, so wirst Du in dem Nest voll
schöner Frauen doch alle Augenblick Dich der gemeinsamen Beratung hingeben und
bei Deiner Lebhaftigkeit und Deinem Talent zum Malerischen seh ich schon den
Winter vergehen bloß mit Putzwählen und dergleichen, und die Grossmama wird wenig
von ihren Schätzen Dir mitteilen können. - Marburg ist im Gegenteil ein Nest, wo
Du ganz als Einsiedler wirst leben können, zum wenigsten kannst Du keiner
Zerstreuung dort ausgesetzt sein, die Briefe vom Christian versprechen so viel
Gutes für Dich, Du hast lange nicht mit ihm gelebt; es ist doch auch
