 die Augen öffne; die
Wände drehen sich, und der Menschen Treiben dreht sich mit. - Und ob's doch
nicht noch in der Sprache verborgne Gewalten gibt, die wir noch nicht haben? -
noch nicht zu regieren verstehen; - das schreib mir, ob Du es auch glaubst, und
ob wir da hindringen könnten, das Ungesagte auszusprechen; denn gewiss, so wie
die Sprache sich ergibt, so muss der Geist hineinströmen; denn der ganze Geist
ist wohl nur ein Übersetzen des Geist Gottes in uns. Gute Nacht.
                                                                         Bettine
 
                                 An die Bettine
Du meinst, wenn Du taumelst und ein bisschen trunken bist, das wär
unaussprechlicher Geist? - Und Du besäufst Dich aber auch gar zu leicht, - weil
Du den Wein nicht verträgst, Du meinst, es müssten neue Sprachquellen sich
öffnen, um Deine Begriffe zu erhellen. Werd ein bisschen stärker oder trinke
nicht so viel auf einmal, wolltest Du Dich fester ins Auge fassen, die Sprache
würde Dich nicht stecken lassen.
    Von der Sprache glaub ich, dass wohl ein Menschenleben dazu gehört, um sie
ganz fassen zu lernen, und dass ihre noch unentdeckten Quellen, nach denen Du
forschest, wohl nur aus ihrer Vereinfachung entspringen. Den Rat möchte ich Dir
geben, dass Du bei Deinem Aussprechen von Gedanken das Beweisen aufgibst, dies
wird Dir's sehr erleichtern. Der einfache Gedankengang ergießt sich wohl von
selbst in den Beweis, oder was das nämliche ist: die Wahrheit selbst ist Beweis.
Beweislos denken ist Freidenken; Du führst die Beweise zu Deiner eignen
Aushilfe. Ein solches freies Denken vereinfacht die Sprache, wodurch ihr Geist
mächtiger wird. Man muss sich nicht scheuen, das, was sich aussprechen will, auch
in der unscheinbarsten Form zu geben, um so tiefer und unwidersprechlicher
ist's. Man muss nicht beteuern, weil das Misstrauen gegen die eigne Eingebung wär.
- Nicht begründen: weil es eingreift in die freie Geisteswendung, die nach
Sokrates vielleicht Gegenwendung wird, und nicht bezeugen oder beweisen wollen
in der Sprache, weil der Beweis so lang hinderlich ist, dem Geist im Wege ist,
bis wir über ihn hinaus sind; und weil diese drei Dinge unedel sind, sowohl im
Leben wie im Handeln, wie im Geist. Es sind die Spuren des Philistertums im
Geist.
    Freier Geist verhält sich leidend zur Sprache und so verhält sich auch die
Sprache leidend zu dem Geist, beide sind einander hingegeben ohne Rückhalt, so
wird auch keins das andre aufheben, sondern sie werden sich einander aussprechen
ganz und tief. - Je vertrauungsvoller, um so inniger. - Wie es in der Liebe auch
ist. - Was sollte also die Sprache am Geist zu kurz kommen? - Liebe gleicht
