 wieder da! - Es ist keine
heitere Zeit in mir, viel Muse und keine Begeisterung für sie; man hängt von
manchem ab, dem man gar keinen Einfluss zugestehen würde, die Gewohnheit, Dich zu
erwarten am Nachmittag, hängt mir wie ein zerrissner Glockenstrang in den Kopf! -
Und doch muss ich immer in die Ferne lauschen, ob ich Deinen Tritt nicht höre.
    Der Sommer in der Stadt - es bedroht mich ganz dämonisch, den hellen Himmel
zu versäumen. - Meine Spaziergänge um das Eschenheimer Tor ertöten mich
gänzlich. Auch die Engländer wollen Euch diese Woche noch besuchen, alles geht
fort.
    Schreib mir viel, auch über meine Sachen, ich schicke dann mehr. Dass ich als
Narziss mich gegen Dich verschanze, besser wie im Gespräch, wo Du immer recht
behältst, musst Du Dir gefallen lassen, so mein ich's, und so hab ich recht, und
Du hast unrecht; und ich meine, Du könntest immer zufrieden sein damit, so
empfunden zu sein durch Deine eigne frische Natur, dass Du meiner sicher bist.
Wer im ganzen etwas sein kann, der wird sich auch fühlbar zu machen wissen, und
so wird der Wandel nirgend anders als bei der Treue heimkehren, denn sie ist die
Heimat. Du bist ja auch heute nicht, was Du gestern gewesen, und doch bist Du
eine ewige Folge Deiner selbst. Mir scheint es noch außerdem höchst verkehrt,
durch selbstisches Bestehen auf dem, was nur wie Sonnenschein vorübergehendes
Geschenk der Götter ist, dem Geist die Freiheit zu verkümmern. Treue wächst in
dem Geist auf, der liebt, gedeiht sie zu einem starken Baum, so wird kein Eisen
so scharf sein, ihn auszurotten, aber ehe die Treue von selbst stark geworden,
kann man ihr nichts zumuten, sie würde nur bei einer Anforderung ihr
aufkeimendes Leben einbüßen; wenn sie aber einmal vollkommen ausgebildet ist,
dann ist sie kein Verdienst mehr, dann ist sie Bedürfnis geworden, Lebensatem; -
sie hat keine Rechte mehr zu befriedigen, weil sie ganz organisches Leben
geworden ist. - Das sei unsre Sorge, dass jede Lebensregung eigentümliches,
organisches Leben werde, das sei unsre Fundamentaltreue, durch die wir in allem
Erhabenen mit den Göttern uns vermählen. Bis dahin lass uns einander treffen in
ihrem Tempel, die Gewohnheit, uns da zu finden, einander die Hand zu bieten in
gleicher Absicht, die wird den Baum der Treue in uns pflegen, dass er als
selbständiges Leben von uns beiden ausgehe und stark werde.
    Ich habe mich mit dem Gedanken oft herumgetragen, ob nicht alles, was sich
vollkommen und also lebendig in der Seele ausbilde, ein selbständiges Leben
gewinnen müsse, das dann als willenskräftige Macht (wie jene
