
mündlich hinzufügte. Einmal sagte Hölderlin, alles sei Rhythmus, das ganze
Schicksal des Menschen sei ein himmlischer Rhythmus, wie auch jedes Kunstwerk
ein einziger Rhythmus sei, und alles schwinge sich von den Dichterlippen des
Gottes, und wo der Menschengeist dem sich füge, das seien die verklärten
Schicksale, in denen der Genius sich zeige, und das Dichten sei ein Streiten um
die Wahrheit, und bald sei es in plastischem Geist, bald in atletischem, wo das
Wort den Körper (Dichtungsform) ergreife, bald auch im hesperischen, das sei der
Geist der Beobachtungen und erzeuge die Dichterwonnen, wo unter freudiger Sohle
der Dichterklang erschalle, während die Sinne versunken seien in die notwendigen
Ideengestaltungen der Geistesgewalt, die in der Zeit sei. - Diese letzte
Dichtungsform sei eine hochzeitliche feierliche Vermählungsbegeistrung und bald
tauche sie sich in die Nacht und werde im Dunkel hellsehend, bald auch ströme
sie im Tageslicht über alles, was dieses beleuchte. - Der gegenüber, als der
humanen Zeit, stehe die furchtbare Muse der tragischen Zeit; - und wer dies
nicht verstehe, meinte er, der könne nimmer zum Verständnis der hohen
griechischen Kunstwerke kommen, deren Bau ein göttlich organischer sei, der
nicht könne aus des Menschen Verstand hervorgehen, sondern der habe sich
Undenkbarem geweiht. - Und so habe den Dichter der Gott gebraucht als Pfeil,
seinen Rhythmus vom Bogen zu schnellen, und wer dies nicht empfinde und sich dem
schmiege, der werde nie weder Geschick noch Atletentugend haben zum Dichter und
zu schwach sei ein solcher, als dass er sich fassen könne, weder im Stoff, noch
in der Weltansicht der früheren, noch in der späteren Vorstellungsart unsrer
Tendenzen, und keine poetischen Formen werden sich ihm offenbaren. Dichter, die
sich in gegebene Formen einstudieren, die können auch nur den einmal gegebenen
Geist wiederholen, sie setzen sich wie Vögel auf einen Ast des Sprachbaumes und
wiegen sich auf dem, nach dem Urrhytmus, der in seiner Wurzel liege, nicht aber
fliege ein solcher auf als der Geistesadler, von dem lebendigen Geist der
Sprache ausgebrütet.
    Ich verstehe alles, obschon mir vieles fremd drin ist, was die Dichtkunst
belangt, wovon ich keine klare oder auch gar keine Vorstellung habe, aber ich
hab besser durch diese Anschauungen des Hölderlin den Geist gefasst, als durch
das, wie mich St. Klair darüber belehrte. - Dir muss dies alles heilig und
wichtig sein. - Ach, einem solchen wie Hölderlin, der im labyrintischen Suchen
leidenschaftlich hingerissen ist, dem müssen wir irgendwie begegnen, wenn auch
wir das Göttliche verfolgen mit so reinem Heroismus wie er. - Mir sind seine
Sprüche wie Orakelsprüche, die er als der Priester des Gottes im Wahnsinn
ausruft, und gewiss ist alles Weltleben ihm gegenüber wahnsinnig
