, werden wir's endlich inne werden, dass alle Jammergeschicke unser
eigenes Geschick sind? - Dass alle von der Liebe geheilt müssen werden, um uns
selber zu heilen. Aber wir sind uns der eignen Krankheit nicht mehr bewusst,
nicht der erstarrten Sinne; dass das Krankheit ist, das fühlen wir nicht - und
dass wir so wahnsinnig sind und mehr noch als jener, dessen Geistesflamme seinem
Vaterland aufleuchten sollte - dass die erlöschen muss im trüben Regenbach
zusammengelaufner Alltäglichkeit, der langweilig dahinsickert. - Hat doch die
Natur allem den Geist der Heilung eingeboren, aber wir sind so verstandlos, dass
selbst der harte Stein für uns ihn in sich entbinden lässt, aber wir nicht -
nein, wir können nicht heilen, wir lassen den Geist der Heilung nicht in uns
entbinden, und das ist unser Wahnsinn. Gewiss ist mir doch bei diesem Hölderlin,
als müsse eine göttliche Gewalt wie mit Fluten ihn überströmt haben, und zwar
die Sprache, in übergewaltigem raschen Sturz seine Sinne überflutend und diese
darin ertränkend; und als die Strömungen verlaufen sich hatten, da waren die
Sinne geschwächt und die Gewalt des Geistes überwältigt und ertötet. - Und St.
Klair sagt: ja, so ist's - und er sagt noch: aber ihm zuhören, sei grade, als
wenn man es dem Tosen des Windes vergleiche; denn er brause immer in Hymnen
dahin, die abbrechen, wie wenn der Wind sich dreht - und dann ergreife ihn wie
ein tieferes Wissen, wobei einem die Idee, dass er wahnsinnig sei, ganz
verschwinde, und dass sich anhöre, was er über die Verse und über die Sprache
sage, wie wenn er nah dran sei, das göttliche Geheimnis der Sprache zu
erleuchten, und dann verschwinde ihm wieder alles im Dunkel, und dann ermatte er
in der Verwirrung und meine, es werde ihm nicht gelingen, begreiflich sich zu
machen; und die Sprache bilde alles Denken; denn sie sei größer wie der
Menschengeist, der sei ein Sklave nur der Sprache, und so lange sei der Geist im
Menschen noch nicht der vollkommne, als die Sprache ihn nicht alleinig
hervorrufe. Die Gesetze des Geistes aber seien metrisch, das fühle sich in der
Sprache, sie werfe das Netz über den Geist, in dem gefangen er das Göttliche
aussprechen müsse, und solange der Dichter noch den Versakzent suche und nicht
vom Rhythmus fortgerissen werde, so lange habe seine Poesie noch keine Wahrheit;
denn Poesie sei nicht das alberne sinnlose Reimen, an dem kein tieferer Geist
Gefallen haben könne, sondern das sei Poesie: dass eben der Geist nur sich
rhytmisch ausdrücken könne, dass nur im Rhythmus seine Sprache liege, während
das Poesielose auch geistlos, mithin unrhytmisch sei - und ob
