s Sünde, und da
dacht ich, wie ist es möglich, dass jede Handlung gleich den Keim der Zukunft in
sich fasse? Aber da wußt ich's gleich, nämlich jede Handlung muss den höchsten
Zweck haben, und ein hoher Zweck ist ja doch die Knospe der Zukunft. O, ich
wollt gleich die Welt regieren, und die Leute sollten sich verwundern, das hab
ich in jenem ersten Moment gelernt von der Natur, wie ich das machen soll, und
glaub nur, ich würde nie fehlgehen, im Anfang würde es viel Staub setzen, wenn
ich gegen das alte Gemäuer anrennen ließ, wenn aber erst die Staubwolken sich
gelegt hätten, dann um so schönerer hellerer Himmel. - Aber als ich am Boden
lag, da mischten sich auch meine Tränen mit dem Erdreich, aber der Nacken tut
mir so weh, ich kann nicht mehr schreiben, und ich wollt Dir doch noch so viel
sagen! - Es ist schon Morgen, die Sonn kommt schon, gute Nacht!
                                                                          Montag
Ich hab heut im Schlaf gedacht, ich bin doch recht glücklich, alles was ich Dir
gestern aufgeschrieben hab, das war in meinem Buch mit folgenden ledernen
Gedanken bezeichnet:
        Alle Form ist Buchstabe, wisse die Formen zusammenzusetzen, so hast du
        das Wort (Kuss), und durch dieses den Sinn (Gedanken) Liebesnahrung des
        Geistes. -
Nein, daraus würde wohl keiner klug werden! - und auch keiner sich drum kümmern,
so ein Gedanke, den man aufbewahrt, ist wie eine gedürrte Pflaume, ganz
verhutzelt und verkohlt. Nein, es ist eine Unmöglichkeit, ein Buch zu machen aus
dem, was mir durch den Kopf geht, es ist ungehobeltes Zeug, was sich sperrt,
wenn's in Gedanken soll gefasst werden. - Und kein Mensch kann's brauchen, selbst
der Klemens würde fürchten, dass ich übergeschnappt sei, von Dir erwart ich, dass
Du mich ungestört anhörst, es ist doch einmal nicht zu ändern, Ihr gebt Euch
Mühe, meine Gedanken zu konzentrieren (auf etwas fest richten soll das, glaub
ich, heißen), das ist aber grad, was nie geschehen wird; denn ich selbst kann's
nicht erzwingen von mir, ich sag mir oft, nur jeden Tag eine halbe Stunde
Geduld, so wirst du gewiss Herr über alles, was du lernen magst. - Aber wenn ich
das denk, so schaudert's mich, als ob ich gesündigt hätt mit dem Gedanken.
Gestern nahm mich die Grossmama ins Gebet über meine vermöglichen Fähigkeiten,
sie sagt, wer den Most nicht fassen kann in Gefäße, der kann ihn nicht bewahren,
da hielt sie mich mit beiden Händen und sah mich so groß an
