, sich
innerlich einem solchen Leben hingeben, und so könnte und sollte ich auch mich
sammeln, dass ich meinen Geist nicht wegwerfe und ein Leben führe, das würdig
sei. - Was meinst Du, dass ich zu all diesem gesagt hab? - Nichts! - Mir wird
bang einen Augenblick, dass ich so selbstverlassen bin, und dass sich mein Geist
nichts um mich bekümmern will, in die Weite hinausschweift, wo eine Biene sich
unscheinbare Blüten sucht, von denen nippt - aber Honig will er nicht machen, er
verzehrt alles selber. - Da nun die Biene aus Instinkt Honig macht, mein Geist
aber nicht, so wird der wohl nicht überwintern, wo er dann keinen Vorrat
braucht, - er gehört wohl ins Land, wo ewiger Frühling ist. Der Klemens ist eben
wieder in die Stadt, der ganze Himmel ist überzogen - da regnet's schon so
gewaltig - ob er wohl schon in der Stadt ist? - Er geht in ein paar Tagen zu
Schiff nach Mainz und Koblenz und bleibt drei Wochen am Rhein, also wirst Du ihn
sehen.
                                                                         Bettine
Ich hab ihm versprechen müssen, dass ich bei seiner Rückkehr was wollt
geschrieben haben, ich werde nie besser verstehen lernen, wie die Welt mit
Brettern zugenagelt ist, als wenn ich versuche ein Buch zu schreiben, und wenn
nun gar der Klemens von einer freien Zukunft spricht, und dass ich, ohne ein Buch
zu schreiben, nie meine Zukunft werde genießen! - Ein Buch ist dick und hat viel
leere Seiten, die alle vollzuschreiben kann ich doch nicht aus der Luft greifen,
mir deucht dies erst recht eine Fessel meiner Freiheit. - Wenn ich mich an den
kienernen Schreibtisch setze und es fällt mir gar nichts Extraes ein und ich
schneide mit dem Federmesser eine dumme Fratze nach der andern in den Tisch, die
mich alle auslachen, dass mir nichts einfällt, da werf ich mein Buch weg, wo
lauter Versanfänge drin stehen und kein Reim drauf. - Es ist wirklich eine
Unmöglichkeit. Ich möcht dem Klemens alles zulieb tun, was er will, aber ich hab
einmal keine Gedanken; andre Leute waren schon vor mir da, ich bin zuletzt
gekommen, also was ich auch vorbringen könnt, so haben's andre schon früher
erlebt; ich ging einmal mit dem Klemens dies Frühjahr spazieren, da waren
allerlei neu aufgeblühte Kräuter, die ich nicht kannte, die wollt ich brechen;
er sagte: »Wenn du bei jedem Mauseöhrchen oder Vergissmeinnicht hocken bleibst,
so werden wir nicht weit kommen.« Daran denke ich jetzt immer, wenn ich was
Neues in mir selber erfahr, dass andre dies alles wohl schon wissen und nichts
Neues mehr für sie mehr sein mag, wie
