 doch nie vergessen, dass Vater und
Mutter mir den Bruder geschenkt haben. -
    Was wollt ich Dir doch sagen! - Ja, dass damals mir zuerst der Gedanke kam,
wie das Leben nur als Notbehelf vernutzt werde. Ich dachte, dass wir Gedanken
haben, so rasch, und dass die Zeit hinten nachkommt und mag nichts erfüllen, und
dass die Melancholie allein aus dieser Quelle des Lebensdranges fließt, der sich
nirgend ergießen kann. - Die Welt muss voll dessen sein, was unser Leben
entwickelt, kämen die Taten und überflügelten unsere Sehnsucht, dass wir nicht
immer ans Herz schlagen müssten über den trägen Lebensgang, - nicht wahr, Du
fühlst es auch - das wär die wahre Gesundheit, und wir würden dann scheiden
lernen von dem, was wir lieben, und würden lernen die Welt bauen, und das würde
die Tiefen der Seele beglücken. So müsste es sein, denn es ist viel Arbeit in der
Welt, mir zum wenigsten deucht nichts am rechten Platz. - Und was ich niemand
sage wie nur Dir, ich mein immer, ich müsse die ganze Welt umwenden, ja, ich
sage Dir, es liegt mir so nah, dass ich oft in Träumen mich nach dem Szepter
umsehe, wo Gott den für mich hingelegt hat, und würde gewiss die Verwirrung
lichten. Nur ein einzig Ding, am rechten Ende angefasst, zieht eine Menge andere
nach sich, die von selbst dann ins rechte Geschick kommen würden. Die Menschen
lernen dann allmählich auch das Rechte denken, wenn sie erst eine Weile das
Rechte haben tun müssen. Denn ich sage nur immer so: konnten sie so fest in der
Unnatur sich einwurzeln, wieviel fester und kräftiger dann im Boden, der ihre
höhere Natur erzieht? Sollt ich irren? - Menschengeist horcht auf Göttergebot in
der eignen Stimme; horcht auf jene heilige Urphilosophie, die ohne Lehre als
Offenbarung jedem sich gibt, der mit reinem Willen zur Wahrheit betet. - Das
hast Du selber gesagt, es sind Deine eignen Worte. Wie oft hab ich doch einsam
um Wahrheit gefleht! - Und wie unermesslich ist doch Vollendung über die Sterne
hinauf, - und die Zeit darf nicht mehr sein, da, wo wir sie gegenwärtig fühlen.
- O bessere Tage, wo seid ihr? O kommt uns entgegen, lasst nicht immer nur harren
auf euch, dass nicht auch wir nur wie Schattenbilder an euch vorübergehen. Lasst
euch dienen, ihr Tage, die ihr den Geist der Liebe sollt hinüberschiffen; still
und heimlich euch landen helfen und den Genius aufnehmen, lehren die Menschen,
dass sie ihn nimmer verschmähen, der in allem allein nur darf gelten! - So red
ich das Morgenlicht an, das mich weckt,
