 wir nicht zu
befahren, aber das Messen mit dem Maßstab, der nirgendwie mit Dir
zusammenstimmt. Ich selber weiß oft nicht, mit welchem Winde ich steuern soll,
und überlasse mich allen. Hab Geduld mit mir, da Du mich kennst, und denke, dass
es nicht eine einzelne Stimme ist, der ich zu widersprechen habe, aber eine
allgemeine, die wie die lernäische Schlange immer neue Köpfe erzeugt. Was Du
sagst und treibst und schreibst, geht mir aus der Seele oder in die Seele; ich
fühle zu nichts Neigung, was die Welt behauptet; und mustere ich gelassen ihre
Forderungen, ihre Gesetze und Zwecke, so kommen sie allesamt mir so verkehrt vor
wie Dir, - aber Deine absurdesten Demonstrationen, wie sie Deine Gegner nennen,
habe ich noch nie in Zweifel gezogen, ich hab Dich verstanden wie meinen eignen
Glauben, ich hab Dich geahnt und begriffen zugleich, und doch muss ich in die
Sünde verfallen, Dich zu verleugnen; es ist mir nicht gleichgültig, dass ich
diese Schwäche habe, kannst Du sie mir ausrotten helfen, so bin ich willig zur
Busse. Das sei Dir genug zum Fühlen wie die Vorwürfe, die Du Dir um mich machst,
mich nur drücken können. Das Produkt jener Stunde, wo Deine Liebe dieser
gewaltsamen Stimmung in mir so streng entgegentrat, leg ich Dir hier bei. -
Dichten in jedem Herzensdrang hat mich immer neu erfrischt, ich war nicht länger
gedrückt, wenn ich mein Verstummen konnt erklingen lassen.
                            Des Wandrers Niederfahrt
                                    Wandrer
Dies ist, hat mich der Meister nicht betrogen,
Des Westes Meer, in dem der Nachtwind braust.
Dies ist der Untergang, von Gold umzogen,
Und dies die Grotte, wo mein Führer haust. -
Bist du es nicht, den Tag und Nacht geboren,
Des Scheitel freundlich Abendröte küsst!
In dem sein Leben Helios verloren
Und dessen Gürtel schon die Nacht umfliesst?
Herold der Nacht! Bist du's, der zu ihr führt,
Der Sohn, den sie dem Sonnengott gebieret?
                                     Führer
Ja, du bist an dessen Grotte,
Der dem starken Sonnengotte
In die Zügel fiel.
Der die Rosse westwärts lenket,
Dass sich hin der Wagen senket,
An des Tages Ziel.
Und es sendet mir noch Blicke
Liebevoll der Gott zurücke,
Scheidend küsst er mich;
Und ich seh es, weine Tränen,
Und ein süßes stilles Sehnen
Färbet bleicher mich;
Bleicher, bis mich hat umschlungen,
Sie, aus der ich halb entsprungen,
Die verhüllte Nacht.
In ihre Tiefen führt mich ein Verlangen,
Mein Auge schauet noch der Sonne Pracht,
Doch tief im Tale hat sie mich umfangen,
Den Dämmerschein verschlingt schon Mitternacht.
                                    Wandrer
O führe mich! Du kennest wohl
