 vor ihm herstreifen über den Rasen. Dann
ruf ich mich auf: lass mich doch denken können! - Und sammle meine Sinne, und
immer so vorwärts schreit ich, eilig, und immer näher, dann, am Baum leg ich
mich nieder auf die Wurzeln, die küss' ich, diese Wurzeln - es sind die Füße des
Dichtergeistes über mir. - Aber ich muss schlafen gehen, zu müde bin ich, - schon
zweimal eingeschlafen während dem Schreiben.
    Heut seh ich, dass ich Dir von nichts geschrieben hab, was Du mich frägst,
und bin aus Mangel an Logik ins Geschwärm geraten. Und doch wollt ich Dir nur
sagen, ich studier noch Geschichte fort, nur wollt ich Dir keine trocknen
Auszüge mehr davon in meinen Briefen machen, dafür zeichne ich Landkarten und
hab andre Spekulationen, so studier ich die Woche zweimal mit Hoffmann Musik,
nicht mehr Generalbass, er meint, ich werd den von selbst in mich kriegen, ich
soll lieber meine Melodien aufschreiben, auf die er einen Wert legt und mir gern
zuhört, wenn ich abends sing, auch hat er mehrere Gänge mir abgehört und sie
aufgeschrieben, und letzt hat er im Konzert phantasiert bloß auf Thema, die er
von mir erlauschte, drum, es war mir auch so wunderlich, es stand mir die ganze
Musik so spöttisch gegenüber, ich wußt gar nicht, was ich dazu sagen sollt, ich
hatte es nicht erraten, am Morgen frug er, wie mir's gefallen hätt, ich sagt, es
sei mir gewesen, als müsse ich ihm immer voranlaufen, und wisse schon alles,
wie's kommen werde; es sei gewesen, als haben seine Phantasien einen Verstand,
den ich begreife. - »Ja, das war, weil es Ihre eignen Wege waren, die Sie
gegangen sind«; und seitdem will er, dass ich aufschreiben lerne, das ist mir
viel schwerer als alles andre, kein Gedanke hält eine Minute fest, und gelingt
mir's an einem Ende, ihn zu fassen, dann reißt er mitten entzwei, und ich kann
das andre nicht dazu finden, so wie es anfänglich aus meinem Geist
hervorgegangen war, dann find ich wohl ein ander End, aber weil es nicht das
erste war, was von selbst aus meinen Sinnen hervorgegangen, dann bin ich
unruhig, als sei es falsch, und den Takt zu finden, das ist mir ganz unmöglich -
der Hoffmann will mir oft Taktteile zusammenrücken, das kann ich nicht wollen,
oft geb ich's zu, dann will's mein Gefühl wieder anders, der Hoffmann hat eine
unsägliche Geduld mit mir und meint, dies alles werd sich finden, sowie ich erst
gewohnt sei,
