 aufgenommen, o denkt, dass
nichts von Euch geahnt war, nichts, was Ihr nur in den Wolken gelesen, was mir
nicht lebendig geworden. Das ist's! - Und was wollt ich doch sagen? - Ach, wie
weit hab ich mich verlaufen, und wollte doch nur sagen von dem Gott, und dass er
nicht die Weisheit könne sein, sondern die Leidenschaft, die der Weisheit
bedürfe, um kühn und tapfer zustande zu bringen, was in ihr gärt. - Wie sag ich
Dir's doch, wenn Du's nicht von selbst verstehst, wenn Du nicht verstehst, dass
alles Wesen durch Leidenschaft ausgesprochen sein wolle, ja, selbst die Ruhe
nichts anders sei, als nur Leidenschaft, dass der Mensch nur mit einem
Götterbusen geschaffen sei, in dem die Leidenschaften ihren Herd haben, dem
Göttlichen ewig lebendige Glut zu opfern. - Wenn Du nicht dazu ja sagst, wie
kann ich's Dir abdringen. - Drum komm und lasse uns Weisheit sammeln, um unserer
Leidenschaften Glut damit zu schüren. -
    Dass Gott die Weisheit sei, das haben wir protestiert, aber dass Weisheit und
Tapferkeit ineinander verliebt seien - aber nicht die der Kirchenväter - das ist
unsere Lehre; sie sind der Herd, auf dem die Leidenschaften flammen, ohne sie
kann Leidenschaft nicht atmen. - Und wenn es keine brennenden Leidenschaften
zwischen der Kraft und dem Geist gäbe, wo sollt ihr Feuer herkommen? Denn um
nichts ist wieder nichts - sie würden sich schlafen legen und absterben, die
Kräfte und der Geist - aber der heiße Trieb ineinander zu schwelgen, einander zu
besitzen, die schüren das Lebensfeuer in ihnen, da ist fortwährend innerlich
Bewegen zueinander. Gefühl in jeder Regung, sie sei empfunden von der andern -
das ist das innere lebendige Leben, und alles andre ist nicht lebendig in uns.
Für was würde man sich vor sich selber schämen, wär nicht diese innerliche
Liebesdespotin, die das Gefühl zur Rechenschaft forderte, dass man einem inneren
Mächtigen die Treue gebrochen oder einer Schwäche sich hingegeben vor dem
Geliebten. Was ist das Gewissen anders als der Minnehof des Geistes mit den
Sinnen - wo sie sich einander hingeben, und Opfer, Heldentaten für einander tun,
und innerlichen Minnesold empfangen. Und dann jene Stimme, die jegliche Stimmung
prüft; je tiefer und weiter sich dies Leben ausbildet, je fester gründet sie die
Ansprüche und Berechtigungen, je leichter verletzbar. Ach ich sag Dir, es liegt
ein Adel, ein steigernder Trieb in der Seele, der auf die Außenseite des Lebens
zurückstrahlt, alles aus leidenschaftlicher Berührung der Sinne mit dem Geist;
wenn Du schreitest, wenn Du Dich wendest, wenn Du die Stimme erhebst - was auch
des geringsten
