 Scheideweg meiner harrte, als die Sonne
hinunter war. Was ist's? - Es wird mich schon erziehen, Tränen wird's geben, das
weiß ich, aber auch Lust, so ist's immer, wo Schönheit reifen soll, und das ist
alles, was ich verlang vom Schicksal, es soll mich scheiden vom Schlechten, es
soll keine Sünde in mir dulden, - in meinen unaufhörlichen Träumen nur möcht ich
eine Vollendung empfinden - der Liebe, der Schönheit - das ist mein Ziel, und
mein Geist strebt eine Natur da herauszufinden, in dem ich dem Schönen
fortwährend begegne. Das ist's und nichts anders. Und alles, was ich erfahre von
der Kunst, von Poesie und Wissen, das schlägt an wie Echo in den unbekannten
Tiefen meiner Brust, da erschreck ich, dass es doch wohl wahr sein möge, was
manchmal nur wie Traum in mir wogt, da toben alle Pulse vor Hoffnung, es sei ein
Doppelleben, was wirklich auch Doppelliebe kann haben, und dass, wenn ich heiß
mich sehne, verstanden zu sein, dass ich dann verstanden sei, wo? - wie - ach,
was weiß ich's! - Vom Nebel, der dort flattert, vom Wind in der Ferne, vom
letzten Lichtstreif, wenn die Nachtkuppel schon sich senkt über mir - kurz, ich
weiß nicht, alles, was ich anseh, das müsste Geist haben, liebenden Geist -
wahrlich, sonst tut mir's unrecht. Welche Wege übernehme ich doch? - Welche
Gefahren besteh ich im Geist? - - Da schwimm ich im Dunkel in uferlosen Fluten,
eine Woge stürzt mich auf die andre, aber ich vertrau, und eine Stimme in mir,
dass ich dem Genius zulieb so kühn bin! - O das lebendige Feuer, und trotz den
Stürmen halt ich die Palme hoch und eile dem leisen Schein des Morgenrots
entgegen, weil das er selber ist. -
    Gott sei die Poesie, hab ich in meinem letzten Brief gesagt, und die
Weisheit, sagen die Kirchenväter, ich hab's geleugnet und gesagt, Gott sei die
Leidenschaft, die Weisheit, die kommt ihm zugut, das Leidenschaftsall zu
bestehen, aber sie ist nicht er selber; meine Gründe: was sollte Gott mit aller
Weisheit, wenn er sie nicht anbringen kann! Wenn aus allem, was geschaffen ist,
sich Neues erzeugt, wenn keine Gewalt, keine Kraft überflüssig ist, sondern grad
um ihrer höchsten Entwickelung willen sich ewig selbst anregend steigern muss, so
kann die Weisheit Gottes nicht selbst die Händ in den Schoss legen wollen. -
Himmel und Erde regieren, wo Sonn und Mond und alle Stern schon für die Ewigkeit
angepappt sind,
