 mit Fragen hintenherum kommen, ich weiß gewiss, er wird allerlei
Kuriosigkeiten fragen und so lang über mich hinausfahren ins Kreuz mit
Segensprüchen, um mich von der Behexung loszumachen. Wie ich Dir sag, mit dem
Klemens führ ich ein ganz ander Leben, es ist ein ander Register, das da
aufgezogen ist, wenn ich an ihn schreib, es hat gar denselben Ton nicht, wie mit
Dir.
    Es ist noch nicht aus mit der Musik, es sind noch keine erstarrten Grillen.
Ich bin aufrichtig, und die einzige Tugend der Wahrheit geht durch mein
Nervensystem, alles ist in ihr aneinandergereiht wie's menschliche häusliche
Leben in meinem Geist. Wenn ich Dir den großen Einfluss, den die Musik auf mich
hat, zu verschiedenen Malen mitgeteilt hab, so kannst Du denken, dass ich dabei
nicht stehenblieb, allein wenn man Wege betritt, die noch zu keinem Ziel geführt
haben, wo alles noch wüste ist, noch keine Lösung hat, noch selber mir nicht
einleuchtet, was kann ich da viel sprechen? - Die Bekanntschaft mit dem innern
Leben einer Musik wird von den Virtuosen ganz auf eine Weise gemacht, die bloß
auf Auseinandersetzung ihrer einzelnen Teile geht, und sie wissen sich recht
viel mit ihrer gelehrten Unterhaltung darüber; sie wirbelt mir auch nicht wie
ein blauer Dunst durch den Kopf -, mir geht noch zugleich ein romantisch oder
geistig Bild dabei auf, das eine gibt mir Stimmungen, das andere wohl
Offenbarungen -, erst gestern wurde im Boskett unter verschiedener neuer Musik,
die mich gar nicht anregte, eine Symphonie aufgeführt von Friedrich II. Gleich
vorne steigt er mit klirrenden Sporen in Steifstiefeln mutig auf, von allen
Seiten her tönt's ihm wider, er müsse keck über die schüchterne Menschheit
weggaloppieren, und bald macht er sich kein Gewissen mehr draus; nur die einzige
Muse, die Tonkunst, tritt ihm fest entgegen, sein Ross hat ihn in die einsamste
Öde getragen, fern von den Menschen, die er wie eine Koppel Hunde mit einem
Pfiff lenkt. Hier sinkt er vor der einzig Übermächtigen nieder, hier bekennt er
die weite Leere seines Gemüts, hier will er Balsam auf alle Wunden gelegt haben,
ungeduldig und zärtlich, demutsvoll küsst er die Spuren ihres Wandels, und mit
Vertrauen beugt das gekrönte Haupt sich unter ihrem Segen. - Gereinigt,
getröstet, wie wenn nichts geschehen wär mit ihm, kehrt er aus diesem
Flötenadagio wieder zu den Seinigen in das brillante Geklirre der Violinen und
Hoboen zurück. - Ich aber spür's, was die Kunst für Weisheit übt. Wo keine Hand
hinreicht, wo keine Lippe sich öffnet, kein Gedanke sich hinwagt, da tritt sie
als Priesterin auf, und das Herz bricht vor ihr, legt
