 dulden.
Nichts ist zu klein, was solche große Seelenkräfte in Anspruch nimmt, denn eben
diese zu üben ist ja das Große; und versäumen kann man nicht das Höhere um das
Geringere, denn eben dass an das Geringe alle Seelenkraft gewendet werde, mit
Fürsorge gleich der des Lebenspenders, das ist das wahre Opfer, was uns göttlich
macht. »Man muss alles dem lieben Gott überlassen«, sagen die guten Christen - ja
wohl, von ihm nehme ich an, was er mir zuerst entgegensendet, wozu die erste
Regung meines Geistes mich mahnt, und lass' auf dem Zeitenstrom mich
dahinschwimmen, den er mir geschenkt, und ob ich da Früheres versäume oder
Größeres, das kann ich nicht wissen, und wenn's ein Bienchen wär, das ohne meine
Hilfe ertrinken müsste, so reich ich erst den Zweig ihm, sich zu retten, das ist
das Fundament von meinem innerlichen Glück, überhaupt was sollt ich doch um
irdisch Glück für Not haben, es ficht mich nicht an. Soll sich einer glücklich
preisen, ich müsst ihn auslachen. - Sagt mir einer, dir geschieht nichts, die
Tage gehen vorbei, und kannst dein Wirken nicht vereinen mit der Zeit, sie will
nichts von dir, und läuft ihren Weg, sie hat taube Ohren im Gebrause aller,
deren jeder einer für sich sorgend seine Stimme will geltend machen und sich
durchfechten, nun, das ist mir nichts. - Ob handelnd oder fühlend,
tiefempfindend mit dem Genius umgehen, das ist dasselbe, was ist denn Handeln
anders als fühlbar werden das Rechte und es tun. Handeln ist nur der Buchstabe
des Geistes, es ist noch nicht so süße als die heimliche himmlische Schule des
Geistes. Wo ich auch hinaus denk, mir deucht nichts glücklicher als im Schatten
liegen jener großen Linde unter ihren fallenden Blüten und durch ihr rauschend
Gezweig dem Geliebten entgegen lauschen, dem heiligen Geist. Der ist mein
Geliebter, der kommt und besucht mich jetzt in der heißen Jahreszeit, wenn ich
im Boskett lunze, und es regnet Lindenblüten auf mich mit jedem leisen Lüftchen.
Ach, er macht kein Wesen von der Weisheit, von Gottesgelehrteit, von Tugend,
von Religion. - Ich bin ihm recht, wie ich bin, er lacht mich aus, wenn ich
belehrt sein will, und bläst mich an; - »da hast du Weisheit,« sagt er. - Dann
spring ich auf und glüh im Gesicht von seinem Hauch - ich lauf ins Haus, ich
denk, wie bin ich doch glücklich! - Ich werf mich auf die Erd mit dem Angesicht
und küss' die Erde. Das ist mein Gebet - wie soll ich ihn umfassen als bloß,
wenn ich die Erde küss
