 durch diese
Geisteskraft allein hervorgebildet worden, die sie in einem früheren Leben
genötigt waren zu üben. - Die Grossmama glaubt, die Seele, das Wesen des Menschen
gehe aus einem Geistessamen in ein ander Leben über, dieser Same sei, was er
während einem Leben in sich reife und dann sich durch allmähliche Erkenntnis,
durch geübtere Fähigkeiten immer in höhere Sphären erzeuge. Dann erzählte sie
mir von dem Ahnherrn unseres Großvaters, der im Dreissigjährigen Krieg sei auf
dem Schlachtfeld gefunden, bei Duttlingen, wo die Franzosen eine große
Niederlage erlitten, als Fahnenjunker die Fahne um den Leib gewickelt, und die
Stange durch Brust und Leib gestoßen und eingehauen, und sein Bruder auch tot
über ihm gelegen, der hat die Fahne schützen wollen und mit seinem Leben
bezahlt; sie waren in französischen Diensten, das hat der große Kondé gesehen
und gesagt: ferme comme une roche, da sie sonst Frank von Frankenstein geheißen,
so haben sie jetzt sich genannt Laroche, weil der König der Witwe seines
Bruders, der auch in jenem Gefecht geblieben, ein Landgut im Elsass geschenkt hat
und ihnen drei Fahnen zu dem Fels ins Wappen gegeben, über diese letzte
Geschichte hab ich meine eignen Betrachtungen angestellt, eine so einfache und
doch so große Handlung hab ich mir im Geist dargelegt, er war Fahnenjunker,
dieser Ahne von mir, und haben eine unsterbliche Tat getan, beide Brüder, indem
sie die Fahne, zu der sie geschworen, treu verteidigten, und ließ ihr Leben
dafür, da der Junker die Fahne sich um den Leib gebogen und so den Tod fand, so
schützte sie sein Bruder, der Wachtmeister war, noch im Tod mit seinem Leib, und
retteten dem Heer die Fahne des Kondé, dass sie nicht als Siegeszeichen in die
Hände des kaiserlichen Tilly komme, obschon sie von Geburt Deutsche waren. - Ein
Schwur muss doch Erwecker einer großen Kraft im Menschen sein, und die gewaltiger
ist wie das irdische Leben. - Ich glaub, alles was gewaltiger ist wie das
irdische Leben, macht den Geist unsterblich. - Ein Schwur ist wohl eine
Verpflichtung, eine Gelobung, das Zeitliche ans Geistige, ans Unsterbliche zu
setzen - da hab ich's gefunden, was ich mein, was der innerste Kern unserer
schwebenden Religion sein müsst. - Ein jeder muss ein inneres Heiligtum haben, dem
er schwört, und wie jener Fahnenjunker sich als Opfer in ihm unsterblich machen
- denn Unsterblichkeit muss das Ziel sein, nicht der Himmel, den mag ich denken,
wie ich will, so macht er mir Langeweile, und seine Herrlichkeit und Genuss lockt
mich nicht, denn die wird man satt, aber Aufopferung und Not, die wird man nicht
müde. - Und im Glück, im Genuss
